Trip an die Ostsee und kleines Derby

Den von allen Trainern stets bemühten Hinweis, „es gäbe keine weniger schweren Spiele“, muss man in der Vorschau auf das kommende Wochenende nicht wiederholen. Wer die Aussage nicht ernst nimmt, liegt meist schon 0:3 hinten, bevor ihm klar wird, dass da wohl doch etwas dran ist.
Schaut man auf die Tabelle spielen die Indians gegen Platz 13 und 11. Doch das bedeutet? Eben, gar nichts.
Denn sowohl Rostock als auch Herford haben Ihre Kader zum Teil namhaft verstärkt und haben das Zeug, alle Teams in der Liga zu ärgern. Zugegeben, bei beiden Teams läuft es noch nicht rund, aber das wird ziemlich sicher kein Dauerzustand sein.
Am Freitag geht’s für die Soccio Jungs zunächst auf die lange Tour zu den Rostocker Piranhas. In der Saisonplanung konnten die Rostocker als ersten Neuzugang gleich einen Kracher melden. Kevin Lavallee schnürte im sächsischen Dresden sein Bündel und zog an den Ostseestrand. Im Gepäck über 500 DEL Spiele und mehr als dreihundert in Liga 2. Im letzten Jahr waren die Piranhas in der Vorwärtsbewegung gut unterwegs, in der Defense haperte es aber. Hier soll Lavallee für Stabilität sorgen.
Und das sollte nicht die letzte „Ansage“ aus dem Piranha Headquarter bleiben. Die Importstellen wurden mit Justin Maylan und Jeff Combs besetzt, beides in Europa und auch in Deutschland alles andere als unbekannt. Maylan hat rd. 200 Spiele in europäischen Top-Ligen absolviert, Combs gar über 100 in der DEL. Von ihm hat man sich aber schnell wieder getrennt.
Die Ansprüche an den Fitnesslevel der Spieler unterscheiden sich in der Oberliga nicht zu den Voraussetzungen in der DEL 2 oder DEL… mit der Erkenntnis flog der Kanadier wieder nach Hause.
Aber die Rostocker haben gleich wieder nachgelegt und – nachdem man analysiert hatte, dass die Defensive weitere Verstärkung braucht – den nächsten Königstransfer rausgeholt: Jesse Dudas ist Kanadier mit zusätzlicher ungarischer Staatsangehörigkeit. Er hat sehr gute Werte aus der WHL und CHL, war im U17 Team der Kanadier und stand in der ungarischen Nationalmannschaft. Ein interessanter Verteidiger, der auch Offensivqualitäten hat. In seinen ersten beiden Partien für die Piranhas erzielte er gleich mal zwei Tore und einen Assist.
Ein paar ehemalige Indianer hat es auch nach Rostock gezogen: Letztjahresgoalie Lukas Schaffrath und Mark Ledlin, mittlerweile zum Verteidiger umfunktioniert. Zudem Florian Kraus, der sich auch schon in der Heimkabine am Pferdeturm umgezogen hat.
Bester Torschütze ist der Mann mit dem längsten Namen der Liga: August Kuzara von Ungern Sternberg. 10 der insgesamt 39 Treffer gehen auf sein Konto.
Im Ranking der Special-Teams fällt auf, dass die Piranhas das aktuell zweitbeste Power-Play der Liga haben, aber die Rote Laterne in Unterzahl. Angesichts dieser Werte mag man den Phrasendrescher erneut rausholen: Bleibt von der Bank weg, Jungs!
Das Team der Indianer ist bis auf den gesperrten Maxi Pohl komplett. Im Tor wird Jan Dalgic stehen. Neuzugang Sebastian Christmann spielt seine erste Partie.
Sein zweiter Einsatz geht dann am Sonntag gleich gegen sein altes Team aus Herford. In der Vorbereitung gingen beide Freundschaftsspiele gegen die Ostwestfalen an die Hannoveraner. Schaut man auf die bisherigen Stats des Teams von Neu-Coach Michael Bielefeld, findet man die beiden neuen Imports, wo sie hingehören: an Platz 1 und 2. Die beiden Letten kennen sich aus früheren Stationen, für Rustams Begovs ist Herford der erste Spot in Deutschland, Elvijs Biezais hat schon zwei Jahre DEL 2 in Dresden in seiner Vita. Platz 9 und 10 in der Ligascorerwertung unterstreichen die Extraklasse der beiden.
In der weiteren Kaderliste findet man die bekannt lange Reihe ehemaliger Angestellter der Scorpions. Zu Björn Bombis, Marius Garten und Ralf Rinke gesellten sich im Sommer noch Christoph Koziol und Dennis Schütt. Bis auf Rinke alle auch mit einer Pferdeturm Vergangenheit. Diese latente Brisanz spürt man in den Begegnungen auch stets, von einem „kleinen Derby“ zu sprechen, ist daher schon nicht nur aufgrund der räumlichen Nähe angebracht.
Aktuell laufen die Herforder auf Platz 11 mit sieben Punkten den eigenen Erwartungen ein wenig hinterher. Da wird man sich nicht zuletzt aufgrund des verbesserten Kaders weiter vorne gesehen haben. Allerdings hatten die Ice Dragons auch mit einigen Verletzungs- und krankheitsbedingten Ausfällen zu kämpfen.
Im Power Play findet man sich mit 20% Erfolgsquote auf Platz 9, im Penalty Killing mit 78,1 % auf Platz 8.
Wenn Herford in Bestbesetzung antreten kann, ist für sie in der Liga grds. alles möglich – ein Punktgewinn gegen die Scorpions unterstreicht dies. Die Wedemärker hatte man am Rande einer Niederlage.
Nichtsdestotrotz gehen die Indians als Favorit in die sicherlich intensive Partie. Sollten die Indianer alle unversehrt aus Rostock zurückkommen, kann Lenny Soccio auf den vollen Kader zugreifen, Maxi Pohl wird nach abgesessener Sperre auch wieder dabei sein. Dem Roationsprinzip im Tor treu bleibend, ist für Sonntag der Einsatz von David Miserotti-Böttcher geplant.
Geleitet wird die Partie von den Herren Fischer und Pernt als HSR, assistiert von den Gebrüdern Berg an der Linie.
Wie immer Sonntags ist Spielbeginn um 19.00 Uhr, die Abendkasse öffnet um 17.30 Uhr. Die Spielregeln zum Einlass aufgrund der Corona Einschränkungen findet man hier:
Ticket- und Einlass-Informationen zu Corona-Zeiten
Sprade TV bietet eine Liveübertragung für diejenigen, die nicht vor Ort sein können: www.sprade.tv

Foto: deisterpics/Stefan Zwing

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