Playoffs voraus: Herne wartet

In der turbulenten Schlussphase sind die Hannover Indians noch auf Platz sechs der Tabelle und damit direkt in die Playoffs gerutscht. Nach dem coronabedingten Streichen der Saale Bulls Halle hat sich der Herner EV die Bronzemedaille der Hauptrunde gesichert und ist somit der Gegner der Indians.

Beim Gedanken an Herne wird vielen Indians-Fans sicher noch die legendäre Playoff-Runde 2017 ins Gedächtnis kommen. Sicher auch vielen Hernern, die diese Chance sicher gerne nutzen wollen, um sich für damals zu revanchieren.

Aber auch in dieser Saison erzählten die Duelle dieser beiden Mannschaften etliche Geschichten. Beide Teams konnten jeweils ihre Heimspiele gewinnen, soweit wenig spektakulär. Jedoch war das erste Auswärtsspiel in Herne die größte Pleite der Indians in dieser Saison, als man sich mit 10:1 hat schwindelig spielen lassen. Da klappten in den Reihen des HEV aber auch die unwahrscheinlichsten Pass- oder Schussversuche. Nur eine Woche später erkämpften sich die Indians ein 4:3 am heimischen Pferdeturm im einzigen Saisonspiel ohne Topscorer und Torjäger Brett Bulmer, hatten manche Unkenrufer Herne bereits zum Angstgegner der Indianer erklärt. Bei der folenden 5:2-Niederlage am Gysenberg verkauften sich die Indians immerhin schon deutlich besser. Höhepunkt der Aufeinandertreffen war – aus ECH-Sicht – jedoch sicher das vierte Duell der Saison am Turm. 7:4 lautete letztendlich das Ergebnis, lässt dabei aber beinahe das erste Drittel vergessen. Nach bereits 8:49 Minuten und drei Gegentoren war der Arbeitstag für Björn Linda bereits beendet und nach dem ersten Drittel sahen viele ungläubige Blicke ein 6:0 auf der Anzeigentafel.

Was diese Best-of-three-Serie alles zu bieten hat und wie sie ausgehen wird, steht wohl in den Sternen. In diesen drei Spielen ist einfach alles möglich. Aufgrund der Tabellenkonstellation und zweimaligem Heimrecht – sollte es zu einem dritten Spiel kommen – hat sicher der Herner EV die Favoritenrolle inne. Allerdings haben die Indians in dieser Saison schon öfter gezeigt, dass mit diesem Team alles möglich ist. Eines dürfte jedoch ziemlich sicher sein: Es dürfte eine kampfbetonte Serie sein – wegen der Historie beider Vereine, wegen individueller Charakterspieler und auch weil noch die eine oder andere Rechnung auf beiden Seiten offen sein dürfte.

Es ist also angerichtet. Das erste Aufeinandertreffen findet am Freitag um 20 Uhr am Herner Gysenberg statt, Spiel zwei dann Sonntag um 17 Uhr am altehrwürdigen Pferdeturm. Wie schon in der gesamten Saison wird es einen Livestream über SpradeTV geben.

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Der sportliche Blick auf den Herner EV

Eigentlich dürfte der Herner EV schon bestens bekannt sein, aber fassen wir doch noch einmal kurz das Sportliche zusammen.

Am vorletzten Spieltag der Hauptrunde sicherten sich die Herner Platz 3 und damit das Heimrecht der Playoffs. Was das letzte Spiel deutlich vereinfachte, denn zu Gast sollten die Scorpions sein. Dass die Partie mit einem Herner Sieg ausgeht, konnte man ja nicht einplanen. Am Ostermontag holte sich der HEV mit einem 3:1 den letzten Dreier der Saison. Und das, obwohl Trainer Danny Albrecht viele seiner Männer schonte – so bekam unter anderem die komplette erste Herner Reihe frei. So standen elf Feldspieler und zwei Torhüter auf dem Spielberichtsbogen, aber auch ein kleiner Herner Kader ist nicht zu unterschätzen – diese Erfahrung hatten auch die Indians kurz zuvor machen müssen.

Die Mannschaft des Herner EV ging als einer der Titelfavoriten ins Rennen, suchte jedoch lange nach seiner Form. Im Herner Umfeld rumorte es schon seit Anfang der Saison, es gab teils harte Kritik der Fans und in der laufenden Saison zahlreiche Ab- und Neuzugänge. Das kennt man am Pferdeturm dieses Jahr allerdings auch. Es dauerte lange, bis alle Beteiligten zueinander gefunden hatten – aber rechtzeitig zu den Playoffs.

Die drei punktbesten Spieler sind Patrick Asselin, Marcus Marsall und Nils Liesegang – alle schon lange ein Teil der Herner Offensive. Im Tor steht weiterhin Björn Linda, der zum Torwart der Saison 19/20 gewählt wurde, auch wenn dieser mit seinem Gegentorschnitt von 3,4 sicher alles andere als zufrieden sein dürfte. Interessant ist auch ein Blick auf den jungen Mann in der zweiten Reihe. Denn mit Jonas Neffin steht ein großes Talent in den Startlöchern, der ein Drittel der absolvierten Spielzeit zwischen den Pfosten stehen durfte und in dieser Saison auch gegen den ECH bereits das Tor hütete.

Auf Colton Kehler müssen die Hausherren am Freitag übrigens verzichten. Der Stürmer hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen, was vermutlich das Saisonende bedeutet.

„Hannover ist eine Wundertüte. Wir haben uns sowohl auf eine defensivere Spielweise, die sie auf Grund des kleinen Kaders in den letzten Wochen ausübten, vorbereitet, aber auch die offensive Art zu agieren, ist für uns sicher nicht neu“, so Danny Albrecht auf der Herner Seite. Welche Spielweise zu erwarten ist, wird sich dann Freitagabend zeigen.