Erfahrung schlägt Tatendrang mit 4:8

Zum zweiten Auswärtsspiel an diesem Wochenende reisten die Hannover Indians wegen der Corona-Auflagen für den KEV nach Krefeld, statt das Team am heimischen Pferdeturm zu begrüßen. Mit erst drei absolvierten Spielen und punktlos befand sich der Krefelder EV 1981 auf dem letzten Tabellenplatz. Ein Spaziergang war das Spiel dennoch nicht, auch wenn das Ergebnis mit 4:8 letztendlich relativ deutlich ausfiel. Manche befürchteten bei der Schiedsrichter-Ansetzung von Tijana Haack schon Schlimmes, ist doch noch die Spieldauerstrafe gegen Kapitän Pohanka wegen Beißens in den gegnerischen Finger noch im Hinterkopf als auch eine Frau an der Pfeife war. Das sollte sich aber nicht bewahrheiten, die Spieloffizielle machte einen guten, ruhigen und unauffälligen Job. Sowas muss ja auch mal gesagt werden.

Einen mindestens ebenso guten Job machte das Indians-Team im ersten Drittel. Zu Beginn spielte nur das Team aus Hannover. Krefeld zwar bemüht, aber bekam keinen Zugriff auf das Spiel. Kein Wunder also, dass Parker Bowles schon in der 2. Minute das 0:1 nach einem verzögerten Doppelpass mit Steven Raabe erzielte. Ganz allein erhöhte Brett Bulmer dann in der 12. Minute. In einem Solo ab der Mittellinie tanzte sich der Hüne durch die Krefelder Reihen, ließ vier seiner Gegner nicht mehr als zusehen und versenkte den Puck zum 0:2. Die Indians in dieser Phase mit enormem Druck. Das 0:3 in der 15. Minute hatte sich schon abgezeichnet. Bulmer ging über links fast allein auf Kapteinat im Krefelder Kasten zu, verliert unglücklich den Puck, schnappt ihn sich mit seiner individuellen Klasse unmittelbar wieder, schießt dem Goalie erst gegen die Schulter, kommt noch zweimal zum Nachschuss, trifft aber immer nur den Goalie – bis sein Co-Pilot Parker Bowles im Gewühl an den Puck kommt und letztendlich zum 0:3 vollstreckt. Nur 20 Sekunden später hätte Thore Weyrauch sogar noch erhöhen können, traf jedoch nur das Lattenkreuz.

Es sah nach einer regelrechten Lehrstunde für die junge krefelder Mannschaft aus. Und die Indians machten im zweiten Drittel da weiter, wo sie im ersten aufgehört hatten. Dieses Mal war es eine sehenswerte Zusammenarbeit von Burns und Bacek vor dem 0:4 in der 23. Minute. Burns eroberte den Puck im Drittel der Hausherren, legt nach vorne ab auf Bacek, der wiederum mit dem No-Look-Pass auf den halb hinter ihm mitgelaufenen Weyrauch, der den Puck in den Winkel schweißt. So viel Dominanz hatte wohl auch der optimistischste Indians-Fan nicht erwartet. Man muss den jungen Gastgebern jedoch zu Gute halten, dass sie in keinem Moment des Spiels aufsteckten und um jeden Puck und jeden Zentimeter kämpften. Und das sollte sich in der 27. Minute auszahlen. Luca Hauf, in Krefeld als Top-Talent gefeiert, war es dann, der seinem Team wieder Leben einhauchte. Nach einer Unaufmerksamkeit der Indians ging es mit zwei auf eins aufs Indians-Tor zu, der 16-jährige Hauf entschied sich, selbst zu schießen und traf zum 1:4 ins lange Eck. Dieses Lebenszeichen hatten die Schwarz-Gelben offenbar gebraucht. Eine Überzahl einer der rar gesäten Routiniers in den Reihen der Krefelder zum 2:4. Grygiel war von der blauen Linie weit aufgerückt und zog aus dem Halbfeld einfach mal ab. Demetz im Slot sprang noch hoch, um dem strammen Schuss freie Flugbahn zu lassen. Der KEV spielte jetzt mutig und frech auf, was auch die Indians kurzfristig verwirrte. Jedoch nicht lange. In der 36. Minute sorgte eine Paradevorstellung unserer Kanada-Connection für den nächsten Indians-Treffer. Bulmer in Überzahl mit ein paar Kringeln und ständig erhobenem Kopf für seine Mitspieler, täuscht den Schuss aufs Tor an, legt aber auf Bowles ab, der guckt sich die Lücke bei Kapteinat im Handschuh aus und trifft zum 2:5. Das Powerplay funktionierte heute. Wenig später musste Prokurat wegen Beinstellens vom Eis, musste jedoch nur acht Sekunden absitzen. Denn nach nur wenigen Sekunden Powerplay nagelte Bulmer das 2:6 aus kurzer Distanz unter die Latte.

Wer das Spiel ein zweites Mal für entschieden erklärte, irrte jedoch. Gerade zu Beginn des dritten Drittels kam Krefeld noch einmal gut ins Spiel und die Indians etwas ins Schwimmen. In der 46. Minute nach einem Puckverlust an der blauen Linie marschierte Blank von rechts aufs Tor zu, spielte den Querpass in den Slot vor das Tor, wo Grygiel mitgelaufen war, der Puck traf allerdings nur den Schlittschuh – sprang aber trotzdem ins Tor. Das 3:6 zählte trotzdem, wie die Hauptschiedsrichterin nach einer kurzen Besprechung mit ihren Linesmen entschied. Der nächste Querpass in der 47. Minute sorgte erneut für Unheil. Kiedewicz stand da sträflich allein vor dem Tor, bekommt den Querpass durch den Torvorraum und musste nur noch ins leere Tor zum 4:6 im Rücken von Zabolotny einschieben. Allerdings schien es in dieser Partie immer so zu sein, dass der ECH immer nochmal eine Schippe drauflegen konnte, wenn es etwas enger wurde. So auch dieses Mal. In der 56. Minute erhöhte Robby Hein auf 4:7, nachdem er sich mit dem Puck an der Bande entlang schlängelte, dann vors Tor zog und nach einer schönen Einzelaktion versenkte. Den krönenden Abschluss erledigte dann der Kapitän selbst in der 59. Minute, abermals in Überzahl. Pohanka nach seinem eigenen Abpraller hellwach, spitzelte den Puck mit der Spitze des Schlägers schussbereit und traf aus kurzer Distanz zum finalen 4:8.

Mit diesem Sieg – und dem zweiten 6-Punkte-Wochenende in Folge – schieben sich die Indians auf den zweiten Tabellenplatz vor. Auch wenn der Sieg sicher absolut verdient war, ist es schön zu sehen, dass da einige Talente in Krefeld heranwachsen, die dem deutschen Eishockey in Zukunft sicher noch viel Freude bereiten werden. Am kommenden Wochenende gibt es ein Déjà-vu vom vorhergehenden Wochenende. Am Freitag geht es für die Hannover Indians wieder zum Auswärtsspiel nach Hamm, bevor nach drei Auswärtsspielen in Folge dann die Rostock Piranhas am Pferdeturm zu Gast sind. Das sind dann die beiden letzten Spiele, die sicher ohne Zuschauer stattfinden. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden, wie es da weitergeht.