Thomas Ziolkowski

Eishockeypokale sind größer als Fußballpokale

Thomas Ziolkowski hat Ziele und Mut. Als Siebenjähriger hatte er beim Nachwuchs der Kölner Haie angefangen, Eishockey zu spielen. Das reichte ihm nicht. Und so wechselte Thomas mit 18 Jahren der gebürtige Kölner nach Übersee. Einfach so: „Ich wollte mich sportlich weiter entwickeln. Und das geht am besten in Nordamerika. Also habe ich meine Sachen gepackt und bin auf gut Glück rübergeflogen, um an einem Try-out-Camp teilzunehmen.“

Offenbar konnte Thomas überzeugen, denn am Ende blieb er für drei Jahre im Mutterland des Eishockey: „Das war meine beste Zeit im Eishockey. In Kanada gab es drei oder vier Spiele die Woche, das kam mir sehr entgegen. Und ergänzt augenzwinkernd: „Das schult ungemein und macht mehr Spaß als Training .“

Mit 21 zog es ihn aber doch wieder nach Deutschland. Genauso spontan. „Mein Bruder Christoph hatte in der Oberliga West in Dortmund unterschrieben und mich empfohlen. Durch meinen Nordamerika-Aufenthalt kannte mich in Deutschland ja keiner mehr.“ Also rüber zurück nach Deutschland und ein Probetraining absolvieren. Mit Erfolg und der Beginn einer veritablen Eishockeylaufbahn in Deutschland. „Meine Zeit in den Juniorenligen in Kanada hat mir sehr geholfen. Die Ausbildungsmöglichkeiten sind mit Deutschland überhaupt nicht zu vergleichen. Die bestreiten drüber über 100 Spiele im Jahr – in Deutschland sind es gerade 40.  Das ganze System ist viel besser ausgelegt. Deswegen sind die Kanadier auch international so gut. Die spielen da Eishockey wie hier Fußball gespielt wird.“

Apropos Fußball – hätte Thomas auch machen können. Immerhin spielte er in jungen Jahren im Nachwuchs des 1. FC Köln: „Bis mein Vater Roman mir erzählte, dass die Pokale im Eishockey größer seien als im Fußball. Das fand ich cool.“ Aber auch schon zuvor war Papa Roman Ziolkowski mit seiner Söhnen zu den Kölner Haien gegangen: „Klar hat mich das beeindruckt. Superschneller Sport mit einer tollen Atmosphäre.“ Seine Leidenschaft für den Fußball hatte sich dann später auch erledigt: „Zum einen muss ich als Eishockeyspieler auf meinen Körper aufpassen. Außerdem ist Fußball mir inzwischen viel zu langsam. Und beim Eishockey im Nachwuchs der Kölner Haie hatte ich von Anfang an so viel Spaß, dass ich den Fußball nicht mehr vermisst habe.“

 Und so ging es weiter im Eishockey. Von Dortmund wechselte Thomas über den Umweg Duisburg in die zweiten Bundesliga nach Dresden. Und konnte wieder viel spielen. „Freitag, Sonntag waren gesetzt für Dresden und am Sonnabend habe ich zusätzlich für die Wild Boys Chemnitz in der Oberliga Ost gespielt, um zusätzliche Spielpraxis zu sammeln.“ Nicht nur deswegen erinnert sich Thomas gerne an die Zeit in Sachsens Hauptstadt zurück: „Dresden ist eine wirklich schöne Stadt mit viel Historie und tollen Bauwerken.“ Nach zwei Jahre zog es ihn trotzdem weiter nach Frankfurt, ebenfalls zweite Bundesliga. Hier warf in eine komplizierte Schulterverletzung zurück. Was Thomas unter anderem auch von der Notwendigkeit überzeugte, sich ein zweites Standbein zuzulegen. „Besser ist das, weil man ja nie wissen kann, wie lange der eigene Körper Leistungssport zulässt.“

Also studieren. „In Duisburg hatte ich mein Wirtschaftsabitur nachgemacht. Von daher bot sich ein BWL-Studium an.“ Gesagt getan und von Frankfurt nach Neuwied in die Oberliga gewechselt. „Da habe ich mich in der Universität in Koblenz eingeschrieben. Oberliga und Studium kann man mit einander kombinieren. Bundesliga lässt so etwas kaum zu.“ Zwei Semester hat Thomas in Koblenz absolviert. Die Insolvenz in Neuwied ließ eine Fortsetzung des Studiums in Koblenz nicht zu. „Leider nicht. Ich muss langsam mit dem Studium weiter machen. Vielleicht schreibe ich mich hier in Hannover ein oder melde mich an einer Fern-Uni an.“

Wobei die Uni Hannover nur eine Option wäre, wenn Thomas länger bei den Indians spielen könnte: „Das wäre natürlich klasse. Hannover ist eine schöne Stadt, die Indians ein toller Club.“

Bei den Indians bekam er auch seine geliebte Rückennummer #7 wieder. „Einerseits eine Glückszahl. Außerdem ist das so eine Art verrückte Vereinbarung oder Wette zwischen mir und meinem ehemaligen Teamkollegen, Freund und Vorbild Patrik Vogl aus meiner Frankfurter Zeit.“ Ansonsten ist Thomas unter der Woche eher ein häuslicher Typ. „Serien auf Netflix gucken oder an der Play Station Battlefield mit Mannschaftskameraden spielen“, verrät der bekennende „Star-Wars-Fan“.

Etwas lebendiger wird es, wenn ihn Freundin Alessandra aus Duisburg an den Wochenenden besucht. Alessandra ist auch dafür verantwortlich, dass es in der Wohnung gemütlich ist. „Stimmt, die Deko hat sie beschafft. Ohne Alessandra würden hier im Wohnzimmer wahrscheinlich nur eine Couch und das TV-Gerät stehen“, schmunzelt Thomas. Ab und zu gehen die beiden aber auch aus: „Manchmal gehen wir etwas essen oder, wie zuletzt, auf den Weihnachtsmarkt. Oder auch ins Kino. Aber meistens kochen wir doch gemeinsam zuhause.“ Bestimmte Vorlieben gibt es da weniger: „Wir sind sehr offen für Neues.“

Wenn Thomas am 24. Dezember nach Hause zu seinen Eltern nach Köln fährt, freut er sich aber doch auf Mutters Küche: „Meine Familie ist polnischer Herkunft. Und zu Hause kommen da Bigos und Piroggen auf den Tisch. Polnische Spezialitäten – extrem lecker.“

Einen Tag davor, also heute, muss Thomas aber noch einmal auf dem Eis ran – gegen die freien Akademiker aus Berlin – inklusive Teddy Toss. „Eine tolle Sache, die ich in Kanada auch schon miterlebt habe. Ich finde den Hintergrund, kranken Kindern zu helfen, wirklich gut. Wie im übrigen auch die PINKtober-Aktion“, zeigt Thomas Herz und Verständnis für karitative Maßnahmen. Das Mitgefühl endet allerdings beim heutigen Gegner aus Berlin: „Die müssen wir unbedingt schlagen. Auf dem Eis muss die Zeit der Weihnachtsgeschenke vorbei sein.“