Max Wasser

Keine Angst vor niemanden

Max Wasser ist sicher nicht der körperlich größte Eishockeyspieler, aber einer der Mutigsten: „Wenn ich Angst vor Gegenspielern hätte, müsste ich mir eine andere Sportart suchen. Meine Mittel sind Schnelligkeit und Wendigkeit.“

Eins hat der Max aber dabei vergessen. Und genau damit hat er sich bereits in seiner ersten Saison in die Herzen der Fans gespielt. Nämlich Herzhaftigkeit und Mut. Jeder Check wird zu Ende gefahren. Und wenn es auf dem Eis nicht läuft, ist Max der erste, der richtig zur Sache geht., um seine Kollegen zu wecken. „Der hat keine Angst vor niemandem“, sagte schon sein früherer Trainer in Neuwied, Arno Lörsch, über unsere #67.

Apropos #67 – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen versteckt sich bei Max Wasser kein Idol, Geburtsjahr („wäre ja auch ein bisschen früh, dann wär ich schon ganz schön alt“) hinter der Rückennummer. „Nö – in Mannheim in meinem Heimatverein hatte ich die #16, später in Landshut in der DNL die #17. Und da habe ich später eben die #67 raus kombiniert.

Zum Eishockey ist unser Max erst relativ spät und auch eigentlich nur durch einen Zufall gekommen. „Durch ein Schulprojekt der Adler Mannheim. Die sind damals in die Schulen gegangen und haben Kinder zu „Schnupperkursen“ eingeladen. Da war ich auch dabei. Und da es mir gefallen hat, bin ich beim Hockey geblieben. Da war ich sieben oder acht Jahre alt“, erinnert sich der passionierte Fußballer Max Wasser.

Und die Entscheidung pro Eishockey sollte sich schnell auszahlen. Gleich dreimal wurde Max mit den Schülern der Adler Deutscher Meister. „Das war toll – besonders die dritte Meisterschaft. Da zählte ich nämlich bereits zum älteren Jahrgang und war dementsprechend auch mehr beteiligt an dem Erfolg“, berichtet Max. Mit dabei war damals auch der jetzige NHL-Profi Leon Draisaitl: „Der war damals schon klasse, hat in 30 Spielen fast 200 Punkte gemacht.“

Von Mannheim zog Max nach Landshut, um DNL zu spielen: „Außerdem habe ich dort die mittlere Reife gemacht.“ Anschließend führte ihn sein Weg nach Neuwied: „Einerseits will ich so hoch wie möglich Eishockey spielen. Aber außerdem will ich mir auch  ein zweites berufliches Standbein schaffen.“ Neuwied bot beides. Oberliga und eine Lehrstelle als Einzelhandelskaufmann in einem Sportartikelgeschäft. Optimal für Max, der sich zunächst in einem Try out empfehlen musste, dieses aber mit Bravour schaffte und Neuwieds damaligen Trainer Arno Lörsch schnell überzeugte: „Max gehört zu den Spielern, die man besser in der eigenen Mannschaft hat.“

Um den Sprung in den Seniorenbereich noch besser bewältigen zu können, trainierte Max in der Sommerpause sogar mit dem ansässigen Football-Team: „Vor allem Kraftübungen, um mehr Gewicht aufs Eis bringen zu können. Schließlich will ich mich in der Oberliga als Spieler etablieren.“ In der folgernden Saison lernte Max die ebenfalls bei den „Bären“ spielenden Brian Gibbons und Thomas Ziolkowski kennen. Doof nur, dass aufgrund der Insolvenz der Neuwieder das Gastspiel in der Deichstadt auf zwei Jahre beschränkt war: „Das war vor allem unglücklich, weil meine Ausbildung noch nicht abgeschlossen war.“ Immerhin erreichte er mit Neuwied noch die Playoffs, in denen er gegen seinen zukünftigen und heutigen Arbeitgeber, die EC Hannover Indians, spielte: „Beim Wechsel hat mir mein ehemaliger Lehrstellengeber in Neuwied geholfen, der mir in Hannover eine Möglichkeit zur Fortführung meiner Ausbildung vermittelt hat – beim Sportartikelgeschäft Vosswinkel in der Ernst-August-Galerie in Hannover.“

Vor wenigen Wochen hat Max hier seine Ausbildung beendet.

Der Einzelhandelskaufmann soll für Max aber nicht das Ende der beruflichen Ausbildung sein: „Ich möchte noch ein Studium zum Handelsfachwirt ranhängen. Das ist ein Fachhochschulstudium und auf diese Weise kann ich den Umweg Abitur umgehen. Das würde mir noch andere berufliche Möglichkeiten eröffnen.“ Und wenn man Max so sprechen hört und dann noch seine kämpferische Spielweise auf dem Eis verfolgt, kann man sicher sein, dass er das auch schafft.

Wie er es auch bei den Hannover Indians geschafft hat, sich mit seiner beherzten Spielweise Respekt bei den Fans zu verschaffen. Das einzige, was noch fehlt, ist das erste Saisontor: „Das war leider noch nie meine Stärke. Da muss ich noch dran arbeiten.“ Arbeiten muss er dagegen nicht mehr dran, sich in Hannover heimisch zu fühlen: „Eine tolle Stadt  – vor allem der Weihnachtsmarkt war cool. Und das Umfeld der Indians ist auch super. Außerdem haben wir eine gute Stimmung im Team, machen öfter etwas zusammen.“ Was in Hannover auch seine liebste Freizeitbeschäftigung ist: „Mit den Jungs treffen, klönen und/oder etwas zusammen einkaufen oder essen.“ Und was kommt bei Max am liebsten auf den Tisch: „Ganz klar Burger. Aber nicht McDonalds oder so, sondern richtige Burger.“ Zumindestens hier in Hannover. Zuhause in Mannheim muss Mutter Carola Nudelsalat und Käsekuchen auf den Tisch bringen: „Absolute Weltklasse. Kriegt niemand so hin wie sie.“ Oder Oma Annelieses Käsespatzen(-spätzle). So richtig zuhause war Max jetzt aber schon ein paar Jahre nicht mehr. „Letzten Sommer war ich in den USA, habe Gibby (Brian Gibbons) besucht in Utah. Das war cool.“

Diesen Sommer geht es aber wieder nach Hause nach Mannheim: „Und da freue ich mich drauf. Auf die Familie und auch auf alte Freunde, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe.“

Freuen würde er sich aber auch über sein erstes Saisontor: „Na klar. Ist überfällig. Am besten gleich heute.“