Das Liveticker-Team

Mitfiebern für das Indianerland

Der ehrlichste und subjektivste Ticker der Liga – eindeutig der Ticker der EC Hannover Indians. Eben Emotional, Creativ und Herzlich. Und trotzdem so fair, dass sich so manch anderer Liveticker, vor allem einer ist gemeint, davon eine oder mehrere Scheiben abschneiden kann.
Der Liveticker der Indians – das sind Nessi und Markus Casper. Und mehr Emotionen in einen Ticker hacken als Nessi und Markus Casper geht nicht. Die Beiden schreiben nicht den Ticker – sie leben ihn, fiebern ihn mit, um mitfiebern zu lassen. Kommentare wie „ich fall hier gleich tot um“ oder „neiiiiiiin – das gibt’s doch nicht“ lassen das ganze Indianerland vor Spannung knistern.
Aber dafür gibt’s ja auch eine Belohnung und die Buchstabenkombination lieben die Caspers besonders: fettgedruckt Toooor schreiben. Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Tor für die Indians bedeutet. Offensichtliche Balsam für die blau-weiß-roten Seelen unseres Liveticker-Teams, die die gute Nachricht mit Schmackes in die Tasten hauen und damit, nicht selten, im heimischen Indianerland tumultartige Freude auslösen. Dafür lohnt es sich dann auch, bis zu 30.000 Kilometer im Jahr zurückzulegen und mittlerweile mit den Autobahnen der Republik „per Du“ zu sein. „Na ja, gegenüber früher in der zweiten Bundesliga mit den Südmannschaften hat sich das mittlerweile ein wenig entspannt“, räumen beide ein.
Nessi und Markus leben den ECH – und das seit Jahren: „Natürlich ist der Liveticker eine anstrengende Angelegenheit, aber es macht Spaß.“ Seit 2012 machen die Beiden den Ticker: „ Allerdings sind wir schon vorher ein paar Mal ersatzweise eingesprungen. 2012 haben wir das dann von Torti (Torsten Gadegast) fest übernommen.
Komplikationen mit dem Beruf? „Nö, das haben wir ziemlich gut arrangiert.“ Nessi ist Online-Redakteurin bei Radio Antenne Niedersachsen, Markus Kundenmanager bei der Telekom. Beide arbeiten im Wechselschichtbetrieb und teilen sich das gut ein.
Fast schon logisch, dass sich beide auch bei einem Auswärtsspiel der Indians kennengelernt haben. „Das war im Oktober 2003 bei einer Fahrt nach Schweinfurt. Letztendlich über einen gemeinsamen Freund“, erinnern sich beide. Da hat es so gefunkt, dass daraus eine tolle Lebenspartnerschaft wurde. Die später mit einer Hochzeit noch veredelt wurde. „Markus Hochzeitsantrag war ja auch blau-weiß-rot geprägt – wie die ganze Hochzeit. In der Nacht nach einer Auswärtsfahrt nach Rostock sollten wir mit Benni Ropers noch auf ein Bier mit in die Kabine kommen. Um halb drei nachts! Natürlich als Einzige völlig ahnungslos, habe ich das auch gemacht, obwohl ich gar kein Bier mag. Und da stand die ganze Mannschaft mit Wunderkerzen, dazu unsere engsten Freunde – und Markus hat mir den Antrag gemacht. ECHt Wunderbar“, erinnert sich Nessi. Geheiratet wurde wenig später im HCC, „mit Blick aufs Eisstadion, mit Indianstorte und … . Kollegen haben uns ein Scorpionstrikot geschenkt. Das mussten wir sogar anziehen. War schon komisch.“
Obwohl das doch irgendwie zu Markus Einstieg in die Eishockeywelt passt. „Das war 1996. Auf einem Stadtfest hatte ich ein Ticket für die Scorpions gewonnen. Bin da auch hin und fand das eigentlich recht cool. Bis dann allerdings Kumpels von mir meinten, echtes Eishockey in Hannover gäbe es nur am Pferdeturm. Da bin ich dann auch mal mit – gegen die Schalker Haie – und habe miterlebt, wie der Turm nach dem Sieg quasi ausgerastet ist. Und da ist es um mich geschehen. Seitdem bin ich Indianer“, erklärt Markus. Nessi hingegen hat den Weg zum Turm in etwa zeitgleich direkt gefunden: „Auch über Freunde. Zunächst noch etwas zögerlich habe ich mir im zweiten Jahr gleich eine Dauerkarte besorgt.“
Seitdem hat der „Turm“ beide fest im Griff. Heimspiele – Auswärtsspiele wechseln sich in schöner Reihenfolge seit Jahren ab. Höhepunkte, bitte sehr. „Das war wahrscheinlich das eine Wochenende mit zwei Auswärtsspielen im Süden. Am Freitag in Füssen und am Sonntag in Garmisch beim SC Riessersee. Normalerweise wären wir am Sonnabend im Sünde geblieben. Da Markus aber arbeiten musste, sind wir zurückgefahren und am Sonntag wieder los. In Riessersee gab es dann nach acht Minuten einen Spielabbruch. Also 16 Stunden Fahrt für acht Minuten Eishockey. Geht gar nicht. Also, um überhaupt etwas von der Fahrt zu haben, sind wir dann noch nach Tölz gefahren, die gegen Klostersee gespielt haben. Das war schon krass“, plaudert Nessi aus dem Nähkästchen.

 
Und während der Fahrt so überhaupt? „Früher haben wir CD-Lotto gespielt. Eine große Kiste voller durchnummerierter CD´s, und abwechselnd durfte sich jeder eine Zahl wünschen. Da kamen ganz schön schräge Musikwünsche zusammen.“ Gehört wurde, was gefällt – 90er Jahre Pop bis hin zu Eishockeyliedern. Die schönsten Eishockeystadien in Deutschland? „Das sehen wir zwiespältig. Einerseits lieben wir die alten „Old-School-Stadien“ wie Braunlage oder, völlig geil, Miesbach. Allerdings sind die zum Tickern meist nicht so toll, weil einfach die Infrastruktur fehlt. Dagegen ist zum Beispiel Tilburg der pure Luxus. Tolles wLan und überhaupt der Support von denen ist echt professionell und klasse. Das erleichtert dann die Arbeit sehr.“ Und in Arbeit kann das auch neben dem Tickern richtig ausarten. „Einmal vor Jahren in Schwenningen war die Uhr kaputt und die Unterbrechungen mussten per Hand gestoppt werden. Und da wurde eben Markus von Benni Ropers gebeten, auf der Strafbank das zu überprüfen. Neben der Tickerschreiberei. [Da haben wir noch keinen Ticker gemacht. Da waren wir „nur“ als Fans da.] War aber alles korrekt, aber auch schön anstrengend.“ Und gibt es in all den Jahren Lieblingsspieler? „Den einen oder anderen schon wie Roman Kondelik oder Michael Dahms früher.“ Außerdem kürt Nessi in jeder Saison ihren [sind ja drei ;)] „Hasen des Jahres“. „Angefangen hat das mit Mike McCormick, das war für mich spielerisch vielleicht nicht, aber subjektiv sehr wohl der Beste damals“, schwärmt Nessi. Und die Frage nach dem besten Indianer aller Zeiten ist auch schnell beantwortet. „Klar Rob Hisey vor Robby Sandrock. Das war schon klasse, wie der Hisey bei uns eingestiegen ist und in seinem ersten Spiel, damals in Grafing bei Klostersee, gleich zwei Tore und mehrere Assists gemacht hat“, zeigt sich Markus immer noch begeistert von dem quirligen Außenstürmer der Aufstiegsmannschaft.
Zwar dreht sich im Leben der Caspers sehr viel um Eishockey, aber eben doch nicht alles. „Im Sommer beschäftige ich mich mit Pferderennen. Und zwar auch Deutschlandweit. Man muss ja in Bewegung bleiben. Ähnlich akribisch wie beim Hockey bereite ich mich auch auf die Rennen vor, kenne jedes Pferde und jeden Jockey“, verrät Markus und ergänzt schmunzelnd: „Irgendwo muss das Geld ja auch wieder reinkommen.“ Und ansonsten wird noch gepokert, was das Zeug hält. Markus spielt im Verein „All-In Poker“ in der Bundesliga. „Er braucht halt nicht viel Schlaf und kann daher extrem viel eingespannt sein“, erzählt Nessi, die ihrerseits einen Blog über Damenmode betreibt: „Passt ja auch zu meinem Beruf als OnlineRedakteurin und zum Tickern. Neulich war ich auch auf der Fashion Week in Berlin.“
Kann man von so viel Action nicht auch mal die Nase voll haben? „Nö. Natürlich sind wir nach einer Saison erst einmal ein bisschen froh, dass alles vorbei ist. Aber spätestens nach zwei Monaten kribbelt es schon wieder mächtig. Und die Vorfreude auf die nächste Saison wächst mit jedem Tag“, grinst Markus. Und Nessi ergänzt: „Alle zwei Jahre flitzen wir auch mal im Mai in die Sonne als Kontrastprogramm. Aber eigentlich finden wir das Hockeyleben im Winter immer noch toll.“ Gut für die Indians und für das Indianerland, das damit weiterhin auch auswärts mitfiebern kann – mit dem ehrlichsten und subjektivsten Liveticker der Liga. Im Ernst, wer möchte schon freiwillig auf die Spielberichte verzichten, in denen sich auch schon mal Leonardo da Vinci auf die Eisfläche verirrt oder sich Spieler in Eichhörnchen verwandeln.

Unser ECHtes Livetickerteam: Nessie und Markus Casper