Brano Pohanka

Dressman und Eishockeyprofi

Kaum ein Fangesang passt besser zu Branislav Pohanka als das legendäre „Das war super, das war elegant“. Dank seiner herausragenden Schlittschuhtechnik vermag es der 32-Jährige immer wieder, elegant einen oder mehrere Gegenspieler zu umkurven, um den Puck ins gegnerische Drittel zu befördern.
Kaum zu glauben, dass Brano erst relativ spät im Alter von „fünf oder sechs“ Jahren mit dem Eishockey begonnen hat. „In der Jugend habe ich wahrscheinlich von meinem Talent profitiert. Um mich aber später im Seniorenbereicht durchsetzen zu können, musste ich sehr viel arbeiten. Daher ist mein heutiges Spiel mehr von hartem Training als von Talent geprägt“, urteilt Brano über sich selbst. Angefangen hat alles in seiner Heimatstadt Povazska Bystrica. Im Seniorenbereich wechselte Brano bereits mit 16 Jahren zum Erstligisten HK 32 Liptovsky Mikulas, wo er bis 2011 auch die meiste Zeit seiner Eishockeykarriere in der Slovakei verbrachte.
Um dann nach Deutschland zu wechseln: „In der Slovakei lief das damals nicht optimal für mich. Außerdem wollte ich auch einmal etwas anderes erleben.“ Gesagt – getan. Sein erster Verein war der damalige Oberligist EHC Dortmund, wo er auch einen gewissen Frank Gentges kennen lernte, den damaligen Dortmunder Trainer. Es sollte nicht die letzte Zusammenarbeit sein. Als Gentges im Folgejahr zu den Löwen Frankfurt wechselte, nahm er Brano gleich mit. Und das mit Erfolg. Die Hessen erreichten damals immerhin das Halbfinale um die Oberligameisterschaft, als man sich nur knapp den Huskies aus Kassel geschlagen geben musste. Auch privat lief es gut. Nach der Saison heiratete Brano seine Freundin Denisa.
Immerhin scheint Brano die Lokalrivalen aus Nordhessen in der Serie so geärgert zu haben, dass sie ihn für die kommende Saison verpflichteten. Und das mit noch mehr Erfolg als in Frankfurt. Am Ende stiegen die Nordhessen in die zweite Bundesliga auf. Mit einem überragenden Pohanka, der im entscheidenden Spiel gegen Freiburg gleich zwei Mal traf. Leider stieg Brano nicht mit auf: „Damals wechselte in Kassel die sportliche Leitung. Die neuen Leute setzten lieber auf die kanadische Karte. Schade.“
Dafür setzte erneut Frank Gentges, inzwischen in Essen als Trainer beschäftigt, auf Brano. Der Trainer, einst eher ein rustikaler Verteidiger, hatte offenbar richtig Gefallen gefunden an dem filigranen Mittelstürmer. „Brano ist einer der besten Center der Liga. Ungemein defensivstark und gerade in Unterzahl ein Topspieler, der trotzdem sehr torgefährlich ist“, ist dementsprechen in einem älteren Interview mit Gentges zu lesen. In Essen traf Brano übrigens auf Robby Hein. Und fiel in einem Vorbereitungsspiel Indians-Geschäftsführer David Sulkovsky auf: „Brano hat damals auch gegen uns gezeigt, dass er ein richtig guter Spieler ist.“
Ein Jahr später war es dann so weit und Brano heuerte gemeinsam mit Robby Hein bei den Indians an. Leider fiel er nach hervorragendem Start krankheitsbedingt den Rest der Saison aus: „Die schlimmste Zeit meines Lebens.“ Um aber gleich nach seiner Genesung wieder auf dem Eis anzugreifen. Dabei macht er nicht nur auf dem Eis eine gute Figur, sondern ist auch als Fotomodel für Indianspartner und Herrenausstatter Lo&Go eine elegante Erscheinung. Kaum zu glauben, dass Brano bei dem hannoverschen Fotografen Oliver Vosshage das erste Mal vor der Kamera stand: „Für mich das erste Foto-Shooting. Das hat wirklich Spaß gemacht. Aber natürlich spielt man dabei nur eine Rolle.“
Privat mag es Brano nämlich eher legerer: „Zuhause bin ich eher lässiger und eigentlich auch ein lustiger Zeitgenosse.“ Gemeinsam mit Ehefrau wird viel gekocht: „Außer bei Spielen.“ Wobei seine kulinarischen Vorlieben eher rustikal einzuordnen sind. Lieblingsgericht ist die slovakische Nationalspeise Bryndzové halušky. Die Halušky
(Haluschky) sind Kartoffelnocken, die üblicherweise aus rohen Kartoffeln, Mehl und Salz, meist ohne Zugabe von Ei zubereitet und gekocht mit dem Brimsen (ein Schafkäse) und oft auch mit Stücken Speck gemischt serviert werden. Insgesamt mag es Familie Pohanka privat eher ruhig und häuslich. Dabei spielt sicher
auch eine Rolle, dass Brano vor wenigen Wochen zum ersten Mal Vater geworden ist – und das gleich zweimal. Mit Ehefrau Denisa kann er sich über die Zwillinge Laura und Lukas freuen. Allerdings nehmen die Beiden auch viel Zeit in Anspruch. „Früher war ich natürlich jedes Mal im Stadion, wenn Brano gespielt hat. Das geht jetzt mit zwei kleinen Kindern nicht mehr“, verrät Denisa. Und auch Brano ist mit der Vaterrolle so ausgefüllt, dass für weitere Interessen kaum Zeit bleibt. „Sonst habe ich gerne Computerzeitschriften gelesen und auch gerne Filme geguckt. Programmieren und/oder Photoshoparbeiten würde ich auch gerne lernen. Dafür habe ich aber momentan keine Zeit“, erzählt Brano – aber ohne Bedauern: „Die Kinder sind das a und o in unserem
Leben geworden.“ So überzeugend Brano die elegante Gentleman-Rolle vor der Kamera auch gespielt hat.
Auf dem Eis sieht er sich in einer anderen Position: „Möglichst viel Tore schießen, um der eigenen Mannschaft zum Erfolg zu verhelfen.“ Daher ist seine Marschroute für die verbleibende Saison auch klar definiert: „Zunächst über die Pre-Playoffs die richtigen Playoffs erreichen und dann so lange wie möglich drinbleiben.
Die Fans würden sich mit einem lauten „Das war super, das war elegant“ bedanken.

Brano mit einer Eishockeyfigur, die ihm ein Fan aus Frankfurter Zeiten angefertigt und geschenkt hat.

Die Entscheidung: Brano Pohanka (ECH) bejubelt sein Tor zum 4:2