Bagu – Bagu – Brad Bagu

So etwas muss man sich erst einmal verdienen

„Bagu – Bagu – Brad Bagu“ hallte es Jahre lang von den Rängen des Pferdeturms bei der Namensnennung der früheren #39 der EC Hannover Indians. Und was vor 18 Jahren begann, wurde mit den Jahren Kult und setzt sich nun fort, seit Brad Bagu die Rolle des Co-Trainers von Tobias Stolikowski übernommen hat. „Eins vorneweg, der Anlass meiner neuen Tätigkeit bei den Indians, die Erkrankung von Freddy Carroll, ist leider sehr traurig. Ich wünsche ihm alles Gute und hoffentlich baldige Genesung“, erklärt Brad mit Nachdruck.

1998 kam Brad Bagu nach Deutschland – quasi vom anderen Ende der Welt. Geboren in Fernie an der kanadischen Westküste und aufgewachsen in Calgary ging es zunächst nach Salzgitter: „Das war aber nur eine Episode von fünf Spielen oder so. Dann waren die finanziell am Ende.“ Bedeutend war es trotzdem, weil er in Salzgitter Kent Todd kennenlernt: „Kent war schließlich „schuld“, dass ich in Hannover gelandet bin“, erinnert sich Brad augenzwinkernd. Nach dem Aus von Salzgitter landete Kent Todd bei den Indians, Brad erst einmal in El Paso in der Western Professional Hockey League. „Und als die Indians ein der folgenden Saison neue Spieler suchten, hat Kent mich überredet, einen zweiten Anlauf in Deutschland zu versuchen – diesmal in Hannover.“ Und diesmal passte es: „Auf jeden Fall. Hannover ist meine neue Heimat geworden. Hier fühle ich mich rundum wohl.“ Und mit am wohlsten in der legendären Indians-Saison in der Regionalliga, als die Indians mit 48 Siegen in 48 Spielen den Wiederaufstieg in die Oberliga feiern konnten. „Das war klasse. Ein Sieg nach dem anderen – und die meisten davon ohne großen Stress.“ Außerdem hatten die Indians Brads besten Kumpel, Chad Michalchuk, an den Turm gelotst, der in der Saison 2001/2002 den Unterhaltungswert der Indians am Pferdeturm erheblich steigern konnte: „Das war absolut witzig mit Chad.“ Bis 2005 sollten es insgesamt 300 Spiele im Dress der Indians werden, in denen Brad 357 Scorerpunkte, als Verteidiger!, beisteuerte: „Gerade 2005, in meinem vorerst letzten Jahr in Hannover, waren wir so dicht davor, aufzusteigen. Die Playoffs gegen Preussen Berlin und dann die entscheidende Serie gegen Dresden. Das war richtig knapp.“

Auch privat hatte sich Brad in Hannover gut eingelebt. „Damals, 2002, habe ich meine Frau Marija kennen gelernt. Zwei Jahre später haben wir geheiratet und sind es bis heute“, verrät Brad. Außerdem wurde Brad 2004 mit Tochter Julie auch zum ersten Mal Papa. Trotzdem wechselte er 2005 zum Ligarivalen nach Ravensburg: „Ich brauchte unbedingt einen Tapetenwechsel. Außerdem zogen sich die Verhandlungen mit den Indians hin und Ravensburg wollte mich unbedingt und schnell.“ Dort traf er auch die ehemalige Tormaschine der Indians, Peter Campbell (2003/2004, 38 Tore), wieder: „Ein cooler Typ. Mit Peter stehe ich nach wie vor in Kontakt.“ Was in Hannover 2005 nicht geklappt hat – der Aufstieg in die zweite Bundesliga – holte Brad mit Ravensburg zwei Jahre später nach. „Ein tolles Erlebnis damals.“

Das noch getoppt werden sollte. Wiederum ein Jahr später wehte in Ravensburg ein anderer Wind: „Trainer Georg Holzmann war von Peter Draisaitl abgelöst worden und der verfolgte ein anderes Konzept, was die Stimmung trübte. Und als sich in dieser Situation Hannover wieder meldete, war mir als ECHter Hannoveraner, und das bin ich, ganz schnell klar – zurück, und diesmal für immer.“ Obwohl sportlich ein Rückschritt, von der zweiten Bundesliga zurück in die Oberliga, heuerte Brad erneut am Pferdeturm an, um ein Jahr später den Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn zu erleben. Aufstieg 2009 mit den EC Hannover Indians. „Das war genial. Glücklicherweise haben die das nicht ohne mich geschafft. So war es doppelt schön“, schmunzelt Brad. Leider folgte wiederum ein Jahr später das Karriereende. „Ich hatte mir eine schwierige Schulterverletzung zugezogen. Das ging einfach nicht mehr weiter mit Hockey“, erzählt Brad. Auch seine erste Umschulung scheiterte an dieser Verletzung: „Ich wollte Fleischer werden – wie Dieter Reiss. Ging aber nicht mit der Schulter.“  Nach zwei Operationen trat endlich der ersehnte Heilungsprozess ein. „Die Berufsgenossenschaft hat mich dabei toll unterstützt. Zuletzt hatte ich vier Monate eine Platte in der Schulter. Nachdem die herausgenommen worden war, wurde es wirklich besser“, erinnert sich Brad, der nach seiner Genesung eine zweite Umschulung, diesmal zum Zerspanungstechniker, begann und in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen hat.

„Zeitlich passte das für mich gut, um Stolli jetzt beim Coaching der Mannschaft unterstützen zu können. Nächsten Sommer werde ich auch einen Trainerschein machen, dafür hatte ich während der Umschulung keine Zeit“, erklärt Brad.

Auch wenn Eishockey definitiv Brads Leidenschaft ist, war und ist er auch an anderen Sportarten interessiert. Früher war es Lacrosse, jetzt „wegen der Kinder“ auch Tennis: „Technisch beherrsche ich das nicht wirklich. Ich nehme einfach den Schläger in die Hand und – „los geht’s““. Überhaupt sind die Kinder, Sohn Tony kam in Brads Zeit in Ravensburg 2008 zur Welt, in den Mittelpunkt seines Fokus gerückt. „Wer hätte das damals gedacht. Jetzt koche und backe ich gerne, zum Beispiel chinesische Gerichte oder chocolate Cookies – vor allem für die Kinder“, lacht Brad und freut sich über seine nagelneue großzügige Küche.

Die Kinder sind auch ein Grund, warum Familie Bagu das letzte Mal vor drei Jahren in Kanada war. „Wenn man Urlaub in Kanada machen will, muss man mindestens vier Wochen einplanen. Das ist für die Kinder nicht so toll. Außerdem muss man das mit seiner Arbeit verbinden können“, weiß Brad. Gereist wurde aber trotzdem – nur eben innerhalb Europas: „Meine Frau kommt ja aus Kroatien. Also ging es dahin oder nach Griechenland oder Spanien.“

Kontakt mit ehemaligen Mannschaftskameraden gibt’s auch noch: „Klar, zuletzt bei einem Benefizspiel am Turm vor drei/vier Jahren mit Kerry Goulet. Da war auch Chad dabei. Eine schöne Sache.“ Die Brad am liebsten ausbauen würde: „Wie In Kanada. Die veranstalten dort auch regelmäßige Ehemalige-Treffen. Das würde ich in Hannover auch gerne hinbekommen. Mit Bryan Phillips, Roman, Dahmsi, Greg und all den anderen tollen Typen.“

Interessant ist auch die Frage nach seinen Lieblingstrainern: „Kann ich schnell beantworten. Die, mit denen ich meine größten sportlichen Erfolge hatte. Georg „Eisenschorsch“ Holzmann in Ravensburg und Joe West hier in Hannover.“

Und die Oberliga im Vergleich damals und heute? „Schwer zu sagen. Früher gab es mehr Kontingentspieler. Als ich hier 1999 beginnen habe, wurde sogar mit sechs Kontis gespielt.  Heutzutage ist die Oberliga mehr ein Projekt für junge Spieler, um sie an höhere Ligen heranzuführen. Dafür ist das Umfeld inklusive Training professioneller geworden.“

Enttäuschend war dafür das letzte Spiel gegen den Herner EV. „Wir haben so viel doofe Fehler gemacht – vor allem in der Defensive. Vor allem das vierte Gegentor war ärgerlich, weil wir es sonst vielleicht noch geschaffte hätte. Aber das kann ich versprechen: wir müssen und werden uns steigern. Mit viel Arbeit kann man schließlich auch viel erreichen.“ So wie Brad in seinen 364 Spielen und 440 Scorerpunkten insgesamt für die Indians auch viel erreicht hat. Ein „Bagu, Bagu – Brad Bagu muss man sich eben erst einmal verdienen.