Niederlage in letzter Sekunde und ein Punkt gegen Tilburg

Bei eiskalten Temperaturen kam es am Freitag beim vorletzten Meisterrunden-Spiel zum Aufeinandertreffen unserer Indians mit dem unangefochtenen Tabellenführer aus Tilburg. Für die Trappers vielleicht etwas ungewohnt, da in der Tilburger Eishalle immer gemütliche 13/14 Grad sind. Wie Lenny Soccio bei der Pressekonferenz nach Spielende sagte, blieb der ECH von der aktuellen Grippewelle nicht verschont. Wenn einer gesund ist, ist der nächste wieder krank. Der lang verletzte Fröhlich kehrte zu diesem Spiel in die Aufstellung zurück, allerdings fielen Turnwald und Arnold aus.

Trotz Kälte und Grippeviren starteten die Indians vielversprechend ins Spiel. Gegen noch etwas steife Tilburger erspielten sie sich einige aussichtsreiche Chancen, aber haderten mit der Chancenverwertung. Denn auch die besten Chancen nutzen nichts, wenn du das Tor nicht machst. Die Bestrafung folgte auf dem Fuße. Denn Bowles tankte sich durch drei Mann durch und traf in der 15. Minute zum 0:1. Bacek hatte drei Sekunden vor Drittelende noch den Ausgleich auf dem Schläger, schoss aber knapp am linken Pfosten vorbei.

Spielte Tilburg vorher noch mit angezogener Handbremse, drehten sie mit Beginn des zweiten Drittels etwas auf. Im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit war es dieses Mal aber der ECH, der traf. In der 25. Minute nutzten die Indians endlich mal wieder gut eine Überzahl und Pohanka machte mit dem 1:1 den Ausgleich. Kurz darauf fand sich Hannover wiederum in Unterzahl und hätte sogar fast noch getroffen. Nach einem schnellen Konter machte Pfennings Tempo und spielte scharf auf den mitgelaufenen Goller, aber Meierdres hielt. Gerade komplett, folgte gleich die nächste Strafe gegen die Hausherren. Und dieses Mal blieb die Unterzahl nicht schadlos. In der 31. Minute täuschte de Hondt erst einen Schuss an, zielte dann doch in die andere Richtung, machte es Albrecht richtig schwer und traf zum 1:2. Drei Minuten vor Schluss fiel der Startschuss zur nächsten Härtestufe in der Partie. Pohl und Hermens gerieten da an der Bande ordentlich aneinander und durften sich erstmal 12 und 14 Minuten auf der Strafbank abkühlen. Kurze Zeit später wurde es noch voller in der Kühlbox. Direkt vor unserer Bande ging es richtig rund. Zu den Klängen der Jeopardy-Melodie beratschlagte das Schiedsrichter-Gespann minutenlang über die Strafenverteilung. Letztendlich einigten sie sich auf zwei Minuten für Lilik, der heute nach Lust und Laune im Sturm und in der Verteidigung eingesetzt wurde und sicher auch am Tresen oder im Kanzleramt eine gute Figur gemacht hätte. Und bei Tilburg gab es die eher ungewöhnliche Strafe von 2+2+Spieldauer (also ohne fünf Minuten) für Montgomery, da er von der Bank aus ins Spielgeschehen eingegriffen hatte. Nach einem Schuss in der letzten Minute von Uusivirta nur knapp am Pfosten vorbei konnten sich die Gemüter in der Drittelpause erstmal abkühlen.

Die Indians wollten sich bei dem knappen Rückstand nicht geschlagen geben und drängten auf den Ausgleich. In der 43. Minute war Bacek schon drei durch, keiner der Tilburger kam hinterher, aber er traf nur die Latte. Kurz vor Mitte des Drittels wollte Goller in die Ecke zur Scheibe, bekam voll die Kelle seines Begleiters ins Gesicht und ging sofort zu Boden und blieb liegen. Zur Bank wurde er mehr getragen, als dass er selbst fuhr und wurde gleich in die Kabine gebracht. Sicher keine Absicht, aber trotzdem übel. Die Strafe dazu habe ich auch noch nie so gesehen. Es gab nämlich 2+2 wegen hohen Stocks. Üblicher Weise gibt es entweder 2 Minuten wegen hohen Stocks oder eine Spieldauer wegen hohen Stocks mit Verletzungsfolge. Aber wenigstens nutzten wir die Strafe direkt aus. Nach nur kurzer Überzahl ließen die Indians den Puck schön ins Tor wandern, Pohanka spielt von scharf rechts aufs Tor, Schwab stand schon im Slot bereit, musste aber nicht mehr eingreifen, denn der Kapitän traf zum umjubelten 2:2 in der 48. Minute. Trotz des Tors ging es wegen der +2 Strafe in Überzahl weiter. Allerdings sah es auf dem Eis mit wenig amüsierten Tilburgern eher wie 5 gegen 5 aus. Aber den Trappers ging es so wie schon uns oft zuvor: sie versuchten alles, aber es half irgendwie nichts. Zehn Minuten vor Schluss schmiss ein Tilburger seinen Handschuh schon weg, der auf der Tribüne landete. Morczinietz hätte sogar noch den Siegtreffer machen können, traf den Puck aber nicht richtig. So ging es also in die Overtime und die Indians hatten einen Punkt schon sicher.

Zu Beginn gab es gleich wieder eine Strafe gegen die Gäste, sodass der ECH eigentlich die bestmögliche Ausgangsposition hatten, das Spiel hier zu gewinnen. Aber der Puck wollte nicht rein. Eigentlich hätte es die Entscheidung schon in der 63. Minute geben müssen. Tilburg blockte einen Schuss von Hein und setzte dann zum Konter an. Den ersten Schuss von links, parierte Albrecht, war dann aber am Boden und musste sein Tor rechts ganz weit offen lassen. Torjäger Bruijsten schoss aber aus einem Meter am leeren Tor vorbei. 25 Sekunden vor Spielende dann für den ECH die dicke Chance: Mit drei auf eins rollte der ECH-Angriff aufs Trappers-Tor zu, aber ausgerechnet Doppeltorschütze Pohanka verdaddelte den Puck. Wir bereiteten uns emotional schon aufs Penaltyschießen vor, da traf Bowles bei 64:59 schließlich doch noch das Tor. So holte Tilburg mit dem 2:3 eine Sekunde vor Ende der Overtime noch den Sieg und den zweiten Punkt.

Diesen einen Punkt hatten sich die Indians hart verdient, aber leider ist der Traum von Platz vier wegen des schlechteren Torverhältnisses trotzdem vorbei. Am nächsten – und letzten – Spieltag der Meisterrunde entscheidet sich dann in Duisburg, ob der ECH in der ersten Playoff-Runde auf Selb, Landshut oder Rosenheim trifft. Wir halten euch an diesem spannenden Abend natürlich wieder im Liveticker auf dem Laufenden. Anpfiff im Fuchsbau ist im 18.30 Uhr.

Heute mit Grüßen aus dem Wigwam
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

Zahlen und Fakten

Tore:

0:1 Bowles (de Hondt, van Gorp) 14:19
1:1 Pohanka (Morczinietz, Uusivirta / Überzahl-Tor) 24:34
1:2 de Hondt (Stempher / Überzahl-Tor) 30:36
2:2 Pohanka (Uusivirta, Morczinietz/ Überzahl-Tor) 47:34
2:3 Bowles (Hermens, Stempher) 64:59

Strafen: Hannover Indians 18 Minuten – Tilburg Trappers 52 Minuten

Zuschauer: 2.204