Indians holen Derbysieg im Penalty-Schießen

Das nächste Derby stand auf dem Plan: Nummer 3 der Saison, Nummer 1 in der Meisterunde und das letzte Mal in Mellendorf. Bisherige Sieg-Bilanz 1:1. Jetzt aber genug von all den Zahlen. Lassen wir lieber diesen Abend nochmal Revue passieren… Die Indians hatten nah der torlosen Niederlage gegen Halle zeigen wollen, dass sie das Eishockeyspielen nicht verlernt haben, mussten aber weiterhin auf Stefan Goller und auch Mark Ledlin, der verletzungsbedingt ausfiel, verzichten. Daher lief der ECH auch mit neu formatierten Sturmreihen auf.

Die Partie begann wie man es von einem Derby nicht anders erwarten kann (oder will), mit einer ordentlichen Portion Härte. Schließlich wollten sich beide Teams den heiß ersehnten nächsten Derbysieg holen. In der 3. Minute prallte Morczinietz mit dem Kopf voran in die Bande und blieb einige Zeit liegen, bevor er gestützt wieder aufstehen konnte. Glücklicherweise konnte er einige Minuten später wieder spielen, denn er sollte, so viel sei schon verraten, noch eine wichtige Rolle einnehmen. Eine Strafe gab es jedoch nicht. Wobei Hauptschiedsrichter Lenhart übermäßige Härte unterbinden wollte, wie sich zeigte, als wenig später Schütt und Pohl aneinandergerieten und beide zum Abkühlen raus mussten. Als die Scorpions sich wenig später in Überzahl sahen, wurde es zum ersten Mal richtig eng für den ECH. Das Powerplay ist eine der stärksten Waffen der Hausherren, lange führten sie die Powerplay-Tabelle an. Aber wenn es brenzlig wurde, war Albrecht zur Stelle. Kaum war die Strafbank leer, wurde sie auch schon wieder gefüllt. Es war erst die 8. Spielminute, da forderte Bacek Schütt zu einem Ringkampf heraus, Schmid ging dazwischen, in einem Nebenschauspiel hatten sich noch Hein und Lehmann in der Wolle. Jedoch glätteten sich die Wogen schnell wieder und nur Bacek und Schmid mussten aufs Büßerbänkchen. Nach einem Wechselfehler der Indians war Budd schon im Alleingang auf und davon, scheiterte aber letztendlich an Albrecht und auch im nächsten starken Powerplay des ESC entschärfte unser Goalie jeden Schuss. Bis exakt 0,4 Sekunden vor Drittelende, da zappelte der Puck dann doch im Netz. Jedoch gab der Schiedsrichter das Tor nicht, weil es mit der Hand erzielt wurde. Ich habe zwar ohnehin einen hohen Stock gesehen, aber warum das Tor letztendlich nicht zählt, kann uns ja auch egal sein.

Kurz vor Ende des Drittels hatten die Indians noch eine Strafe kassiert, so mussten sie auch jetzt mit einer Unterzahl in den zweiten Spielabschnitt starten. Das nächste, was einem Tor ähnelte jedoch ein Pfostentreffer von Koziol. Bei kompletter Mannstärke beider Teams ging es hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. Allerdings wurde der Spielfluss immer wieder durch Strafen unterbrochen. Nicht dass ich mich beschweren will – na gut, eigentlich will ich es doch – relativ einseitig verteilt, obwohl unsere Indianer alles andere als ein unfaires Spiel zeigten. In der 33. Minute gab es dann doch das erste Tor des Spiels, leider auf der falschen Seite. Nach einem Konter waren die Scorpions durch und Thomson brachte den ESC mit 1:0 in Führung. Der Rest des Drittels war aus hannoverscher Sicht ein Hinterherrennen der Scorpions-Führung. Aber letztendlich muss man auch eingestehen, so ungern ich das tue, dass die Führung insgesamt auch in Ordnung ging.

Der Start ins letzte Drittel hatte vorerst wenig Erfreuliches für den ECH parat. Die Indians taten sich in der 42. Minute zu schwer, den Puck aus ihrem Drittel zu befördern, da nutzte der ESC seine Chance und Koziol erhöhte auf 2:0. Aber dann brachte Morczinietz uns zurück ins Spiel. Ich hatte vor Ort zwar 10 Sekunden gezählt, aber man will offiziellen Quellen ja nicht widersprechen… Denn laut Spielbericht dauerte es nur 2 Sekunden, da stand unsere 75 frei am langen Pfosten und versenkte ebenfalls in der 42. Minute zum Anschlusstreffer. Angespornt durch diesen Treffer drehten die Indians jetzt auf. In der 46. Minute hatte ich gerade noch die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, weil der Schuss von Pfennings nur den Pfosten traf, da setzt aber Bacek nach und machte den 2:2 Ausgleich. Jetzt war alles wieder offen, die 2-Tore-Führung der Scorpions vergessen und hinfällig. Das Herzklopfen hatte sich kaum beruhigt, da schlug es in der 47. Minute bis zum Hals. Denn die Indians legten nochmal nach und Pohanka brachte sein Team mit dem 2:3 das erste Mal an diesem Abend in Führung. Einfach unfassbar! Aber es sollten noch sehr lange 13 Minuten bis zum Drittelende sein. Im Fight um diesen Derbysieg stellte Uusivirta Blank an der Bande, der seinen Kopf schon sehr tief hatte und auf dem Eis blieben ließ. Die von den Scorpions-Fans geforderte Spieldauer blieb jedoch aus. Aber trotzdem befanden wir uns wieder in Unterzahl und mussten wieder alles in die Waagschale werfen, um dem Powerplay der Scorpions standzuhalten. Das Spiel wurde zunehmend hektischer und ich hatte meine Nägel schon fast bis zu den Fingerknöcheln abgekaut. Wir mussten diese knappe Führung einfach nur über die Zeit retten. „Einfach“. „Nur“. Ja, ich merke es selber… Und in der 57. Minute geschah dann das, was eigentlich keiner sehen wollte. Der Puck fiel Schmid direkt vor die Füße und er zeigte, warum er der Topscorer ist. Somit stand es 3:3. Wieder alles auf Anfang. Ein Sieger sollte jedoch in der regulären Spielzeit nicht mehr gefunden werden.

Somit startete das Spiel in die Verlängerung. Und es hätte wirklich in beide Richtungen ausgehen können. Es waren noch 2:18 zu spielen, da kippte das Momentum allerdings in Richtung der Hausherren, als sich der Schiedsrichter entschied, Turnwald für die nächsten Minuten vom Eis zu stellen. Jetzt hieß es also wieder Daumendrücken, dass die Zeit schneller lief und die Scorpions kein Tor mehr machten. Und dieses Mal klappte es auch. Mit Ablauf der Strafe hatte Turnwald sogar noch die Chance, das Spiel für die Indians regulär zu gewinnen, aber er schoss knapp über das Tor von Linda. Dieser Krimi sollte seinen Sieger also erst im alles entscheidenden Penaltyschießen finden. Den 2.103 Zuschauern, die bei gefühlt arktischen Temperaturen den Weg nach Mellendorf gefunden hatten, wurde einiges geboten.

Im Penaltyschießen begann Schmid für die Scorpions, traf dieses Mal aber nicht. Im Gegenzug Schwab, aber Linda mit einem Riesen-Save. Dann war Budd an der Reihe, Albrecht wehrte mit dem Schoner ab. Nun lief Hein für die Indians an und versenkte. Die letzte Hoffnung für die Scorpions lastete nun auf den Schultern von Dennis Schütt. Denn sollte er nicht verwandeln, mussten die Indians gar nicht mehr zum dritten Penalty antreten. Er lief an, behielt den Puck lange bis er unmittelbar vor Albrecht stand, wollte den Puck reinheben, aber Albrecht hatte den Braten gerochen und hielt. Das war es dann also. Der finale Show-Down. Der zweite Punkt und viel wichtiger der Derbysieg gingen mit in die Landeshauptstadt.

 Nach diesem nervenzerfetzenden Krimi können wir uns alle am spielfreien Freitag erholen, bevor es am Sonntag für die Indians nach Leizig geht. Anpfiff ist um 17 Uhr und wir freuen uns wie immer über zahlreiche Liveticker-Leser, die unserem Team die Daumen drücken.

Viele Grüße aus Eishockey-Deutschland

Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

Zahlen und Fakten

Tore:

1:0 Thomson (Spelleken, Pape) 32:35
2:0 Koziol (Blank, Fischer) 41:34
2:1 Morczinietz (Schwab, Valasek) 41:36
2:2 Bacek (Pfennings, Uusivirta) 45:08
2:3 Pohanka (Uusivirta, Bacek) 46:53
3:3 Schmid (Schütt, Bombis) 56:34
3:4 Hein (Penaltyschießen) 65:00   

Strafen: Hannover Scorpions 6 Minuten – Hannover Indians 18 Minuten

Zuschauer: 2.103

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