Derbysieg 3 im Spiel der nicht gegebenen Tore

Zu ungewohnt früher Anpfiffzeit stand das nächste Derby der Saison an. Aber alle 4.195 Fans fanden rechtzeitig den Weg ins Stadion. Im Scorpions-Lager ging es vorab ordentlich rund. Die Wedemärker trennten sich doch beinahe wenig überraschend von ihrem in Ungnade gefallenen Kontingentspieler Michael Budd. Ersatz war aber schnell gefunden. Der den Indians-Fans noch gut bekannte Brian Gibbons trat Budds Nachfolge an.

Dieses Derby hatte tatsächlich alles, was man sich wünschen konnte: Spannung, Härte, Tore und letztendlich ein Sieg für die Indians. Zu Beginn spielte aber allen voran nur eine Mannschaft. In der 7. Minute bewies Branislav Pohanka seine Torjäger-Qualitäten und brachte sein Team schon früh unter lautem Jubel, den man in ganz Kleefeld hörte, mit 1:0 in Führung. Und schöner hätte man es sich kaum wünschen können, erhöhte Lukas Valasek in der 9. Minute sogar auf 2:0. Allerdings hätte da der Spaß mit den nicht gegebenen Toren schon fast angefangen. Denn Linda hatte den Puck erst, ließ ihn dann aber wieder fallen. Valasek zögerte nicht lang und schob ein. Nach einiger Verhandlung zählte der Treffer aber. Es dauerte rund fünf Minuten, da bedarf es keiner langen Verhandlung. Die Gäste jubelten schon, aber Hauptschiedsrichter Gavrilas entschied sich, das Tor wegen hohen Stocks nicht anzuerkennen. Ich kann mir gar nicht erklären, wieso – aber die Scorpions schienen jetzt etwas angefressen zu sein und kompensierten dies mit Härte. Zwar auch spielerisch, allerdings schien der eine oder andere Faustkampf nicht gerade ungewollt.

Die Drittelpause sorgte, wie es für ein Derby schon fast Sitte ist, für wenig Abkühlung. Die Scorpions wechselten zu Drittelbeginn ihren Torwart, was wohl weniger an den zwei Gegentoren, sondern am vorher schon etwas angeschlagenen Linda lag. Nun stand also Lukas Müller im Kasten und von der Tribüne ertönte ein doppeldeutiges „Linda hat die Nase voll“. Die Scorpions gingen weiter den eingeschlagenen Weg und Thomas Pape gab alles, sich mit Lilik zu möbeln. Auch wenn Pape der Hauptschuldige (sowas darf man ganz subjektiv ja mal sagen), war die Strafenverteilung etwas kurios. Lilik bekam eine Strafe wegen Bandenchecks, obwohl der Schiedsrichter diese vor der Auseinandersetzung nicht angezeigt hatte. Dazu 2+2 wegen übertriebener Härte. Pape bekam mit 2+2+10 die nominell höhere Strafe, aber dennoch fand sich der ECH in Unterzahl wieder. Wie heißt es so schön: das Derby hat eben seine eigenen Regeln… Dass das Überzahlspiel der Wedemark brandgefährlich ist, wissen wir nicht erst seit gestern. Aber unter Beweis stellten sie es wieder einmal in der 31. Minute. Albrecht hatte zwei Schüsse schon abwehren können, da kullert der Puck zur Seite, wo Bombis mutterseelenallein steht und aus einem knappen Meter hinter Albrecht zum 2:1 Anschlusstreffer einschiebt. In der 37. Minute wurde es erneut in Unterzahl brenzlig. Und zwar lag der Puck wieder im Tor hinter Albrecht, allerdings gab der Schiedsrichter auch dieses Mal das Tor nicht, da zuvor das Spiel schon wegen Torraumabseits unterbrochen war. Noch 6 Sekunde der Strafe standen auf der Uhr, da passierte es aber doch. Gibbons machte das, wofür er geholt wurde: Tore. Somit stand es in der 38. Minute dann 2:2. Doch kaum war Hannover bei voller Mannstärke, kamen die Scorpions in Bedrängnis. Ein Schlenzer von der blauen Linie von Lasse Uusivirta schlug hinter Müller ein und so gingen die Indians mit 3:2 erneut in Führung. Das Tor war ungemein wichtig, um nicht mit dem Ausgleich in die Kabine zu müssen. Apropos Ausgleich… Nach einem Alleingang traf Wedemarks Topscorer Schmid sogar, allerdings eine Sekunde zu spät. Denn die Drittelsirene war schon ertönt und daher – ihr dürft mal raten – zählte das Tor nicht.

Das dritte Drittel begann mit einer guten Chance von Arnold im sonst noch ausbaufähigen Powerplay der Indians. Und dann wurde es blutig. Dennis Schütt lag blutend am Boden und das Schiedsrichtergespann diskutierte lange mit den beiden Kapitänen Pohanka und Lehmann. Letztendlich gab es keine Strafe. Obwohl Schütt offensichtlich verletzt war, ging dem kein Vergehen voraus. Und um das Sammelalbum der Spiel-Highlights voll zu machen, will ich euch auch die Strafzeit in der 47. Minute nicht vorenthalten. Denn die Scorpions bekamen eine Strafzeit wegen 6 Mann ausgesprochen, was eher weniger ein Wechselfehler war, denn sie spielten tatsächlich mit 6 Mann. Die Freude darüber hielt aber nicht all zu lange an. Denn in der 51. Minute glich Pape unter Bedrängnis mit dem 3:3 die Partie wieder aus. Der ECH zeigte sich jedoch unbeeindruckt und fuhr jetzt einen Angriff nach dem anderen. Roman Pfennings, der „Held aus Halle“ war es dann, der mit dem 4:3 in der 54. Minute einen ohrenbetäubenden Jubel auslöste, der vermutlich noch in Budapest zu hören war. Aber der Eishockeygott hatte wohl noch nicht genug Wendungen gesehen. Erneut im Powerplay traf Brian Gibbons zum 4:4 und jubelte, als wäre er schon mit einem Scorpions-Schnuller zur Welt gekommen. In diesen turbulenten Dritteln sollte also kein Sieger gefunden werden. Ebenso in der Verlängerung.

Also sollte die Partie über die maximale Distanz gehen und das Penaltyschießen stand an. Lehmann begann für die Wedemark, aber Albrecht entschärfte seinen Schuss. Schwab als erster Schütze für die Indians machte es da besser und traf. Gibbons hatte sein Torglück wohl schon in der regulären Spielzeit aufgebraucht und schoss vorbei. Und Hein als zweiter Schütze machte das Ding mit seinem Treffer vorzeitig klar. Was bleibt da noch zu sagen?! Derbysiege sind schön…

Am kommenden Freitag ist dann spielfrei und die Indians greifen erst am Sonntag wieder ins Geschehen ein, wenn sie zu den Moskitos nach Essen reisen. In altbewährter Tradition halten wir euch natürlich wieder auf dem Laufenden. Eröffnungsbully ist in der Eissporthalle Essen-West um 18.30 Uhr.

Heute mit Grüßen aus dem Wigwam

Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

Zahlen und Fakten

Tore:

1:0 Pohanka (Pfennings, Bacek) 06:27
2:0 Valasek (Hein, Tramm / Überzahl-Tor) 08:38
2:1 Bombis (Niddery, Lehmann / Überzahl-Tor) 29:20
2:2 Gibbons (Fischer / Überzahl-Tor) 37:23
3:2 Uusivirta (Bacek, Pfennings) 38:39
3:3 Pape (Marek, Spelleken) 50:12
4:3 Pfennings (Bacek, Tramm) 53:38
4:4 Gibbons (Lehmann, Niddery / Überzahl-Tor) 57:00
5:4 Schwab (Penaltyschießen) 65:00

 

Strafen: Hannover Indians 16 Minuten – Hannover Scorpions 24 Minuten

 

Zuschauer: 4.195

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