Sechs Spiele, sechs Siege

Am Pferdeturm läuft momentan alles nach Plan. Nach der bitteren Pille, nicht den 8. Tabellenplatz erreicht zu haben, haben die Indians inzwischen eine saubere Siegesserie hingelegt. Auch am letzten Sonntag sollte diese nicht abreißen, als die Beach Boys aus Timmendorf zu Gast waren. Der ECH, ohnehin in der Favoritenrolle, sah sich einem etwas dezimierten Timmendorfer Kader gegenüber, die mit nur 14 Feldspielern angereist war. Da hatten die Indians ein paar mehr im Aufgebot und für einen war es ein ganz besonderes Spiel. Carsten Gosdeck bestritt mit dieser Partie sein 1000. Eishockey-Spiel. Ein Meilenstein, den nur wenige in ihrer Facebook-Chronik vermerken können. Als kleine Hommage lief er auch mit einem Sondertrikot mit der Rückennummer 1000 auf.

 

Das Spiel startete allerdings alles andere als planmäßig. Gerade Mal 33 Sekunden brauchte der EHC bis Jakub Schejbal einen Querpass nach einer 2 auf 1-Situation verwerten konnte und seine Farben früh mit 0:1 in Führung bringen konnte. Mund abputzen und weitermachen lautete die Devise. Schon wenig später hielt Yannik Baier dann im richtigen Moment die Kelle rein und konnte in der 6. Minute mit dem 1:1 ausgleichen. In der 8. Minute folgte dann das wohl am meisten umjubelte Tor des gesamtes Spiels. Auf Vorarbeit von Max Wasser und Leon Lilik konnte Yanick Meve nicht nur den 2:1-Führungstreffer erzielen, sondern auch sein allererstes Saisontor. Was folgerichtig mit Schlägerklopfen und Jubel der eigenen Teamkollegen bedacht wurde. Sogar Niklas Deske machte den weiten Weg aus seinem eigenen Tor, um dem jungen Wilden zu gratulieren. Der Tag hätte also so schön werden können, wenn Robert Peleikis in der 18. Minute nach einem scheppernden Hit gegen Kenneth Schnabel nicht von Schiedsrichter Sochiera mit einer Matchstrafe bedacht worden wäre. Für Schnabel war das Spiel nach dieser Szene gelaufen, er wurde noch während des Spiels zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Kleine Regelkunde am Rande – ja, ich musste auch nachschauen: wenn ein Spieler nach einem Check gegen den Kopf- und Nackenbereich verletzt ist, wird nach IIHF-Regelwerk automatisch eine Matchstrafe (Minimum-Sperre 1 Spiel) verhängt. Einzig, ob es nicht z.B. ein Bandencheck statt einer gegen den Kopf war, könnte man in Frage stellen, da das Strafmaß hier Auslegung des Schiedsrichters ist, ob es eine 10er, eine Spieldauer oder eine Matchstrafe gibt.

 

Mit rund drei Minuten Unterzahl starteten die Indians also ins zweite Drittel. Diese überstanden sie mehr als gut. Während der letzten Unterzahl-Minute fand das Spiel kurioser Weise sogar hauptsächlich im Gäste-Drittel statt. Endlich wieder komplett ließ der nächste Treffer dann nicht mehr lange auf sich warten. Dennis Arnold zielte in der 28. Minute ganz genau und versenkte den Puck zum 3:1. In der 38. Minute nagelte Branislav Pohanka den Puck aus kurzer Distanz noch zum 4:1 unter das Tor. Also oben ins Netz. Also quasi unter die Decke vom Tor. Na wie auch immer das genau heißt… Jedenfalls konnte der ECH mit einer komfortablen Führung in die nächste Drittelpause gehen.

 

Mit dem etwas dünnen Kader wehrte sich Timmendorf zwar standhaft, aber spätestens in der 49. Minute nach dem 5:1 durch Robby Hein war der Drops dann gelutscht. Die letzten fünf Minuten machten die Indians aber nochmal richtig Dampf und wollten weiter nachsetzen. Denn einer fehlte aktuell noch in der Torschützenliste: der Jubilar Carsten Gosdeck. Trotz einer Unterzahl kam der ECH wieder in Torreichweite. Gosdeck kam sogar noch unter Begleitung eines Timmendorfer Quartetts zum Schuss, aber der Puck wollte einfach nicht reingehen. Ein Tor fiel dann in der 58. Minute aber doch noch. Valasek mit einem beinahe klassischen Bauerntrick ums Tor, entschied sich aber für den kurzen Pass statt zu schießen und Schwab konnte verwerten und machte das 6:1. 59 Sekunden vor Schluss nahm Coach Stolikowski eine Auszeit, um die weitere Taktik zu besprechen. Warum? Natürlich, damit Gosdeck noch sein Jubiläums-Tor bekommen sollte. Jeder Puck wurde also der Nummer 1000 aufgelegt, aber an diesem Abend sollte es einfach nicht sein. Gefeiert wurde er von seinen Team-Kollegen und der Kurve trotzdem. Auf Wunsch eines einzelnen Herren, der hier nicht näher genannt werden möchte – nennen wir ihn einfach mal Yannik B. aus H. – musste Gosdeck dann auch noch tanzen. Wobei er sich zu den Klängen vom Sirtaki eher für einen Ausdruckstanz in Form einer angedeuteten Champagnerdusche entschied als für heiße Dancemoves.

 

Bei so viel Liebe in der Luft fällt es schon fast schwer, auf das nächste Heimspiel am Freitag zu schauen. Nicht nur, weil mit den Scorpions aus Langenhagen als Gegner sicher etwas anderes in der Luft liegt. Auch der Ausfall von Peleikis und der noch unsichere Einsatz von Lilik, der nach einem Schlag ins Gesicht ebenfalls ins Krankenhaus musste, bereiten etwas Sorgen. So oder so – los geht’s wie immer um 20 Uhr. Auf den Derbysieg!

 

Heute mit Grüßen aus dem Wigwam
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

 

Zahlen und Fakten

 

Tore:

 

0:1 Schejbal (Spöttel, May) 0:33
1:1 Baier (Schwab, Ziolkowski) 5:11
2:1 Meve (Wasser, Lilik) 7:35
3:1 Arnold (Gibbons, Valasek) 27:23
4:1 Pohanka (Ziolkowski, Bovenschen) 37:51
5:1 Hein (Pohanka, Schwab) 48:24
6:1 Schwab (Valasek, Pohanka) 57:03

 

Strafen: EC Hannover Indians 31 Minuten – EHC Timmendorfer Strand 2 Minuten

 

Zuschauer: 1.923

 

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