Playoff-Wahnsinn in Herne

Meine Fresse! Was war das denn bitte für ein Match?! Frei nach dem Motto „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie“ sind die Hannover Indians zum Tabellenersten der Oberliga Nord aus Herne gefahren. Schon in der Pre-Playoff-Serie gegen die Wedemark haben die Mannen rund um Tobias Stolikowski ihnen Willen und Biss und auch ihr Talent unter Beweis gestellt. Und genau mit diesem Kampfgeist ging es in Herne weiter. Was die Indians wieder für Leidenschaft in Hannover entfacht hatten, zeigte sich im prall gefüllten Gästeblock. Mehr als 200 Fans waren mit nach Herne gereist und hofften auf eine Wiederholung der legendären Playoff-Serie gegen den HEV. Und wer hätte gedacht, wie unfassbar spannend ein Spiel mit so wenig Toren sein könnte.

Für dieses wichtige Spiel unterstützte uns wieder Mirko Pantkowski im Tor. Ebenfalls als Unterstützung, jedoch neben dem Eis, waren auch der noch verletzte Armin Finkel und Ansgar Preuß angereist. Für etwas Stirnrunzeln sorgte die Schiedsrichteransetzung. Denn mit Tony Engelmann sollte uns der gleiche Schiedsrichter pfeifen, der schon in der Wedemark die Partie leitete und mit teils fragwürdigen Entscheidungen auf sich aufmerksam machte. Unter Fähnchen- und Luftballon-Choreos beider Fanlager startete die Partie. Und was für ein Start! Temporeich und mit aussichtsreichen Chancen auf beiden Seiten schon in der ersten Minute. In der 4. Minute packte Peleikis einen scheppernden Hit gegen McLeod aus, der die Partie von Anfang an prägen sollte. Peleikis saß schon auf der Bank, während es auf dem Eis an jeder Ecke zu Wortgefechten und Auseinandersetzungen kam. McLeod wurde mit einer Trage vom Eis gebrachte und die Herner schmissen alles, was nicht niet- und nagelfest war, auf die Gästebank. Während Hernes Nieberle 2 Minuten wegen unnötiger Härte bekam, konnte Peleikis direkt duschen gehen. Er bekam 5 + Matchstrafe wegen Checks gegen den Kopf- und Nackenbereich mit Verletzungsfolge. In der folgenden Unterzahl konnte Pantkowski all sein Können zeigen und der starke Gibbons kam sogar zu einer Chance in Unterzahl. Das erste Tor fiel allerdings in der 13. Minute für die Hausherren. Eine kurze Unachtsamkeit und Luft machte sich auf und davon. Seinen Schuss konnte Pantkowski noch parieren, aber Nieberle versenkte den Nachschuss zum 1:0. In der 15. und 16. Minute hatte der ECH dann noch zwei ganz dicke Chancen und scheiterten in dieser Phase am starken HEV-Goalie Wendler. In der 20. Minute war Wendler dann doch mal geschlagen, am Gibbons traf nur den Pfosten.

In der Drittelpause hörte man im Stadion, dass McLeod wohl wegen Verdachts auf Nasenbeinbruch behandelt werden musste. Kurioserweise ist er zu Beginn des zweiten Drittels wieder auf dem Eis gewesen, jedoch mit einem anderen Trikot. Ob seines kaputt gegangen war oder gewaschen werden musste, das bleibt vorerst wohl ein Mysterium. Und dann überschlugen sich die Ereignisse auch schon. Eine große Schlägerei rund um die Hauptprotagonisten McLeod, Nieberle und Bovenschen entbrannte in der 24. Minute. Bovenschen wurde mit einer Spieldauer bedacht und als er durch den Spielertunnel in die Kabine wollte, warf das Herner Publikum mit Schimpfwörtern und Gegenständen um sich. Als Bovenschen mit seinem Schläger in deren Richtung fuchtelte, gab’s noch eine Matchstrafe wegen der Auseinandersetzung mit Zuschauern obendrauf. Auf Herner Seite traf es den Torschützen Nieberle, der mit einer Spieldauer duschen gehen musste. McLeod kam mit einer 2-Minuten-Strafe wegen unnötiger Härte davon. Das heißt, den Rest der Partie mussten wir nun mit nur noch vier nominellen Verteidigern überstehen. Herne baute nun ordentlich Druck auf und allen voran hatten wir es Pantkowski zu verdanken, der uns mit einigen Monstersaves im Spiel hielt. Direkt in dieser Sturm- und Drangphase musste Hernes Dreschmann wegen Hakens auf die Büßerbank. Und nach nur wenigen Sekunden konnten die Indians die Überzahl nutzen. Nur 7 Sekunden waren vergangen, da traf Gosdeck in der 34. Minute aus der Drehung in den Winkel. Und es war die erste richtig gute Chance innerhalb dieses Drittels für den ECH. Wenn die Chancenverwertung in grauer Vorzeit (so vor ein paar Wochen) noch unser Problem war, stellte sich das jetzt als Stärke heraus.

Zum Start in das letzte Drittel kam McLeod dann auch wieder mit seinem regulären Trikot – wohl frisch aus dem Trockner – aufs Eis. Beide Teams belauerten sich gegenseitig. Keiner wollte einen Fehler machen und alle warteten auf den richtigen Zeitpunkt, zum Tor durchzustoßen. Mit zunehmender Spieldauer wurde der ECH immer aktiver und erspielte sich eine Chance um die andere. Ein ums andere Mal konnte sich Herne bei ihrem Keeper bedanken, der auch die schönsten Hannoveraner Chancen zunichte machte. In der 53. Minute die nächste Szene, die eher wenig mit Sport zu tun hatte. Nach dem Bully ging Gosdeck zu Boden und hielt sich das blutende Gesicht. Das Schiedsrichtergespann kratzte zwar eigenhändig das Blut vom Eis, aber konnte sich wohl nicht zu einer Strafe durchringen. Während Gosdeck in der Kabine versuchte, seine Blutung zu stillen, war der Eismeister vorerst beschäftigt, die hinterlassene Blutspur vom Eis zu entfernen. Und wir hatten noch immer kein weiteres Tor, dafür aber schon vier abgeknabberte Fingernägel. Aber in der regulären Spielzeit sollte kein Sieger gefunden werden.

Somit sollte eine 20-minütige Überzahl folgen. Mit zunehmender Spieldauer wurde das Spiel natürlich auch immer anstrengender, aber die Indians erspielten sich eine gute Chance nach der nächsten. Doch Schwab, Ziolkowski, Gibbons, Grass – alle vergaben oder scheiterten an Wendler. Zu diesem Zeitpunkt ging im Ticker das erste Mal schon gar nichts mehr, weil auch die Fans im heimischen Hannover die Spannung wohl nicht mehr aushalten konnten. Chancen hier und da – da und hier. Da weiß man schon gar nicht mehr, wer sich letztendlich ins Penaltyschießen rettete. Aber so sollte nun der Sieger dieser heißen Partie ermittelt werden.

Und dann ging es schon ganz schnell. Pohanka startete mit dem Shoot-Out und traf, den Schuss von Kreuzmann entschärfte Pantkowski, Schwab legte nach und versenkte ebenfalls und Snetsinger vedaddelte beinahe schon vor dem Schießen. Die dritten Penaltyschützen mussten also nicht mal mehr antraten und die Indians-Fans fielen vor lauter Freudentaumel fast vom Balkon. Die Sensation war geschafft. Der 8. siegt über den 1. Die Indians schlagen Herne. Karma strikes back. Und das ganze schon im ersten Spiel der Playoff-Serie IN Herne. Jetzt heißt es aber, die Leistung auch zu bestätigen, denn eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: das wird Herne nicht auf sich sitzen lassen wollen. Spiel zwei findet dann am Sonntag um 19 Uhr am Pferdeturm statt. Lasst uns den Hernern einen feurigen Empfang bereiten. Und wenn ich mir noch was wünschen darf: trotzdem sportlich fair bleiben. Auch auf den Rängen.

Viele Grüße aus Eishockey-Deutschland

Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

Zahlen und Fakten

Tore:

1:0 Nieberle (Luft, Snetsinger) 12:07
1:1 Gosdeck (Gibbons, Schwab / Überzahl-Tor) 33:24

1:2 Pohanka // Penaltyschießen

Strafen: Herner EV 37 Minuten – Hannover Indians 81 Minuten

Zuschauer: 1.876

Brano Pohanka möchte sich gegen Essen mit Toren beschenken