Oberligasiegerbesieger! Indians siegen über Herne

Hinter den meisten Indianern dürfte eine lange Partynacht liegen, denn die Hannover Indians siegen in Spiel 4 gegen Herne mit 4:2 und ziehen so in die nächste Playoff-Runde ein. Fabelhaft! Verrückt! Fantastisch! Mit dem Sieg am Dienstag hatte sich Herne zurück in der Serie gemeldet, aber der Pferdeturm ist eben kein Ponyhof. Die Indians wollten den Sack zumachen.

 Beide Seiten hatten mit einigen Ausfällen durch gesperrte oder verletzte Spieler zu kämpfen. Aber das war ja auch schon in den letzten Partien der Fall gewesen. Allerdings ging es erst noch um traurige Nachrichten. Die Indians betrauern mit dem Verscheiden von Axel Glusa und Wolfgang Fobbe den Tod zweier Menschen, die die Indians jahrelang auf ihrem Weg begleitet haben. Für beide gab es eine Gedenkminute, in der auch die Herner Fans Anteilnahme zeigten und still waren. Unser Mitgefühl gilt den Freunden und der Familie beider Indians-Weggefährten.

 Dann ging es wieder sportlich zur Sache. Nach dem Erfolg am Dienstag stand erneut Michel Weidekamp zwischen den Pfosten. Unter fantastischer Stimmung startete das so wichtige Spiel vier abermals unter Verbandsaufsicht. Die Führung bei diesem heißen Tanz übernahm dann doch eher Herne. Sie mussten die Partie ja auch für sich entscheiden, um den vorzeitigen K.O. zu verhindern. Die erste Strafe gab es in der 8. Minute (im Gegensatz zu den letzten Spielen) relativ spät, wurde aber gleich durch eine kleinere Schubserei zwischen Schwab und Nieberle begleitet, der sich schon am Dienstag nicht unbedingt in die Herzen der Indians-Fans gespielt hatte und jetzt erstmal auf der Strafbank platznehmen musste. Und das schönste nach einer gegnerischen Strafzeit? Ein Überzahltor! Nach anfänglichen Schwierigkeiten stocherte Hein aus dem Gewühl heraus den Puck in der 10. Minute zum heiß umjubelten 1:0 über die Linie. Das erste Mal in der gesamten Serie, dass der ECH das erste Tor machen konnte. Nicht mal eine Minute später hätte Tobi Schwab sogar noch mit einer dicken Chance direkt nachlegen können, verfehlte aber frei vor Weidekamp. Erstmals ungemütlich für das Schiedsrichtergespann wurde es in der 12. Minute, als Michel Ackers nach einem Zweikampf mit Hein zu Boden ging und mitten in Pantkowski reinrutschte. Populär war die Entscheidung, lediglich Hein wegen eines Ellenbogenchecks vom Eis zu stellen, nicht gerade, aber das Schiedsrichtergespann mit DEL-Erfahrung leitete die Partie insgesamt souverän. Herne spielte ihre Überzahl aus und setzte den ECH ordentlich unter Druck. Einmal hatte ich schon Schlimmes befürchtet, als der Puck das Netz von außen zum Zittern brachte. Für eine tolle Aktion in der 15. Minute hätte sich Brian Gibbons durchaus einen Treffer verdient. Er trieb den Puck ins Drittel, ließ sämtliche Gegenspieler stehen, zog einmal hinten ums Tor rum , schoss aus halber Rücklage und der Puck zischte nur Millimeter am langen Eck vorbei. Aber wenn der eine es nicht macht, dann macht es eben der andere. Mit einem nicht minder schönen Tor war der eiskalte Torschütze zum frenetisch bejubelten 2:0 in der 18. Minute Branislav Pohanka. Mit Standing Ovations schickte das Publikum die Indianer in die Kabine.

 Im zweiten Drittel startete Herne wieder druckvoll – was blieb ihnen angesichts eines 2-Tore-Rückstands schon übrig…? Nach 24 Sekunden musste Pantkowski den ersten Fernschuss abwehren. Durch zwei Strafen kurz hintereinander hatte Herne dann wenig später 1.30 in doppelter Überzahl. Und das nutzten sie auch. Auch wenn den Indians wieder ein gewohnt starkes Unterzahlspiel zeigten, war dann ein Schuss von Kreuzmann als Blueliner dann drin. Schönheitspreise hätte das Ding zwar nicht gewonnen, aber dennoch stand es in der 29. Minute 2:1. Beflügelt durch den Anschlusstreffer Herne sehr aktiv und die Indians hatten alle Hände voll zu tun, standen den HEV-Spielern aber immer auf den Füßen und verteidigten gut. Eine Schrecksekunde gab’s dann doch noch kurz vor Drittelende. In der 38. Minute nutzte Dominik Luft einen Fehlpass in der neutralen Zone und befand sich plötzlich blank vor dem Hannoveraner Tor. Allerdings war – wie schon so oft zuvor – Endstation bei Pantkowski. Aber auch die Indians hätten nachlegen können. Drei Sekunden vor Schluss zog Ziolkowski von der blauen Linie ab, Weidekamp konnte nur prallen lassen, wo Gibbons goldrichtig stand, den Puck hoch hob, aber um Millimeter vergab. Ich weiß, ich wiederhole mich.

 Ins letzte Drittel startete der ECH mit einer Überzahl und Pohanka traf nach 44 gespielten Sekunden nur den Pfosten. Und ich freue mich sehr, dass ich das an dieser Stelle sagen darf: aller guten Dinge sind drei. Mit zwei auf eins marschierte Gibbons, links  begleitet von Hein, in Richtung Tor. Gibbons legte ab auf Hein, der schon fast am Tor vorbeilief, dann aber wieder wie im Bilderbuch auf Gibbons zurücklegte, der nur noch ins leere Tor einschieben musste. Jetzt holte er sich also sein verdientes Tor und erzielte in der 43. Minute das 3:1. Jetzt bebte der Turm und kollektives Ausrasten war angesagt! Lediglich der Torschütze gab sich als Mr. Cool. Herne versuchte, über Härte wieder ins Spiel zu kommen, dezimierte sich nach einem unschönen Bandencheck von Nieberle an Kraus allerdings selbst, überstand die Unterzahl jedoch schadlos. Jetzt war offenes Visier angesagt – hin und her und her und hin. In der 56. Minute hätte Turnwald schon für die Vorentscheidung der Partie sorgen können, verschoss allerdings einen gegebenen Penalty. Umso bitterer war dann der erneute Anschlusstreffer mit dem 3:2 durch Pietsch in der 57. Minute. Und in diesem Moment fand ich es nicht nur zum Kotzen, sondern hatte wirklich das Gefühl, mich übergeben zu müssen, so unfassbar spannend war es. In der 58. Minute hätte sich mein Magen schon fast wieder entkrampfen können, als Schwab zu einem Break startete, aber Weidekamp nicht überwinden konnte. Die Uhr tickte und die extrem langsam vergehenden Sekunden liefen für den ECH. Rund eineinhalb Minuten vor Schluss nahm Herne den Torwart vom Eis und ging aufs Ganze. Noch 43 Sekunden waren auf der Uhr, da machte sich Pohanka mit dem Puck auf und traf … den Pfosten! Unglaublich, aber noch weiteren quälenden Sekunden korrigierte er das und traf 36 Sekunden vor Drittelende ins leere Tor. Jetzt hielt es hier keinen mehr auf den Rängen! Die Sensation war zum Greifen nah und passierte dann auch! Die EC Hannover Indians siegten mit 4:2 über den Herner EV. Un-fucking-fassbar! Geil Jungs, wir sind stolz auf euch!

 Der Tabellenerste aus Herne befindet sich ab sofort also im Sommerurlaub. Aber da Herne immerhin fairer Verlierer war, wollen wir auch faire Gewinner sein und nicht weiter darauf rumreiten. Jetzt heißt es also wieder „Ab in den Süden – den Indians hinterher“, denn nun startet die Verzahnung mit den Südclubs. Für den ECH bedeutet es, Bad Tölz als nächsten Gegner zu bekommen. Am Freitag startet dann Spiel 1 in der Tölzer Hacker-Pschorr-Arena, wo wir für euch wieder dabei sind und über das Spiel im Liveticker berichten.

 Heute mit Grüßen aus dem Wigwam
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

 Zahlen und Fakten

 Tore:

 1:0 Hein (Grass, Pohl / Überzahl-Tor) 9:33
2:0 Pohanka (Pohl, Schwab) 17:07
2:1 Kreuzmann (ohne Assist / Überzahl-Tor 2) 28:19
3:1 Gibbons (Hein, Gosdeck) 42:15
3:2 Pietsch (Luft) 56:25
4:2 Pohanka (Gosdeck, Turnwald / Empty Net) 59:24

  Strafen: Hannover Indians 8 Minuten – Herner EV 10 Minuten

 Zuschauer: 4.026


 

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