Mit Minimalismus zu drei Punkten über Timmendorf

 
Endspurt in der Hauptrunde und mitten drin im Kampf um Platz acht. Im so wichtigen Spiel gegen Timmendorf konnte unser Trainergespann glücklicherweise wieder auf Artur Grass nach abgesessener Sperre und Brian Gibbons nach längerer Verletzungspause zählen. Spannender könnte man sich die Tabellensituation kaum vorstellen. Mit gerade mal einem Pünktchen mehr hat es sich die Wedemark auf dem achten Tabellenplatz gemütlich gemacht auf den die Indians von Platz neun noch hochschielen.
Gegen eher defensiv agierende Teams hatte sich der ECH zuletzt etwas schwer getan und auch dieses Mal brauchten sie etwas, um ins Spiel zu finden. Die vom Timmendorfer Coach ausgegebene Route „Erstmals möglichst lange das 0:0 halten.“ ging im ersten Drittel perfekt auf. Außer einer einzigen Strafe gegen den EHC stand nichts weiter im Spielberichtsbogen.
Das zweite Drittel sollte dann schon etwas actionreicher starten. In eigener Überzahl wurde es für unsere Indians gleich zu Beginn eng. Nur in höchster Not konnte der ECH verteidigen und Turnwald musste wegen Hakens auf der Strafbank platznehmen. Zu Freuden der Indiansfans ging es danach aber wieder in die andere Richtung. Gerade frisch in Unterzahl, nach einer 4 gegen 4 Phase, stahl sich Gosdeck trotz seiner Körpergröße unauffällig wie ein Eichhörnchen vor das gegnerische Tor, traf jedoch bei (zu) spitzem Winkel nicht. Nun drängten wieder die Gäste auf den Führungstreffer und Deske hatte mehr zu tun als ihm lieb sein konnte. Eine Überzahl, bei der der ehemalige Indians-Akteur Patrick Saggau auf die Büßerbank musste, brachte die Indians aber wieder zurück ins Spiel. Im Powerplay suchten die Indianer vermehrt den an der blauen Linie postierten Gosdeck. Nach einem seiner Abpraller stand Arnold genau richtig, schnappte sich den Puck, drehte sich noch einmal um die eigene Achse und versenkte zum 1:0. Rund zwei Minuten vor Drittelende machte Deske mit einem Save auf sich aufmerksam, dass ich ohne zu Zögern für das „Nicht-Tor des Monats“ nominieren würde, sollte es sowas jemals geben. In reihenartiger Sturmformation gingen drei Beach Boys auf zwei Indianer zu, konnten einen harten Schuss loslassen, den Deske halten konnte, der Puck aber hinter ihm in Richtung Tor trudelte. Mit einer Mischung aus Genialität und Wahnsinn schmiss er seine Kelle über die Schulter und konnte den Puck tatsächlich noch neben das Tor lenken und so den Ausgleich verhindern. Eine weniger schöne Szene ereignete sich 48 Sekunden vor Drittelende, als Timmendorfs Yannick Henry auf einen am Boden liegenden Indianer mit dem Stock versuchte, einzustechen. Aus der darauffolgenden entbrannten Auseinandersetzung zwischen Henry und Nick Bovenschen resultierte eine spannende Strafenverteilung. Bovenschen bekam 2+2+10 Strafminuten wegen unnötiger Härte auferlegt, ebenso wie sein Kontrahent. Dieser bekam allerdings noch obendrauf 2+2+10 wegen versuchten Stockstichs. Beide 10er zusammen bedeuteten dann automatisch das Aus in dieser Partie für ihn.
Mit einer Überzahl startete der ECH dann ins letzte Drittel. Unsere Jungs spielten sie gut und Timmendorf hatte beinahe mehr Glück als Verstand, das nicht hier irgendeiner der zahlreichen Schüsse den Weg ins Tor fand. Die nächste Großchance gab es dann in der 51. Minute als Gosdeck und Baier nur noch einen Verteidiger vor sich hatten, Hauptschiedsrichter Körb jedoch eine strafwürdige Aktion gesehen hatte und den Angriff jäh unterbrach. Aber wie heißt es so schön: aller guten Dinge sind drei. Denn in der 56. Minute hatte sich Dennis Arnold den Puck am Schläger festgeklebt, marschierte an drei Beach Boys vorbei, wartete genau den richtigen Moment zum Schuss ab und ließ seine Teamkollegen das 2:0 bejubeln. Nur drei Minuten später hätte Arnold noch beinahe seine gute Leistung mit einem Hattrick krönen können, erwischte den scharfen Pass aber um Haaresbreite nicht. Gut eineinhalb Minuten vor Schluss nahm Timmendorfs Trainer ich den Torwart vom Eis und nur wenige Sekunden später gelang Kenneth Schnabel tatsächlich der 2:1-Anschlusstreffer. Unmittelbar im Anschluss entschied sich Timmendorf für eine Auszeit, um die Taktik für die verbleibende Spielzeit zu besprechen. Kurz später nahm Timmendorfs Goalie erneut den Weg zur Bank. 41 Sekunden vor Schluss schlenzte Yannik Baier den Puck etwa aus Höhe des eigenen Bully-Punktes in Richtung Tor und verfehlte nur um wenige Zentimeter. Zwei Sekunden vor Schluss hätte es fast noch den dritten Treffer für die Indians geben können, jedoch entschied sich der Linesman wegen Icings abzupfeifen anstatt die Regel des Hybridicings anzuwenden, als Pohanka schon fast den Puck kurz vor der Bande erreicht hatte. Aber da wir nur wenig später die drei Punkte bejubeln konnten, kann man darüber auch mal hinwegsehen.
Alles in allem drei ganz wichtige Punkte, wenn man sich noch die Chance auf Platz acht wahren will. Und ihr wisst ja, wie das mit einem guten Pferd ist… Im letzten Spiel der Hauptrunde geht es für unseren ECH dann zu den Scorpions nach Langenhagen. Da wäre ich zwar mal für weniger Minimalismus, mehr Abschießen, aber gebe mich letztendlich auch mit drei Punkten und dem Derbysieg zufrieden. Wenn wir unsere Sache richtig machen und drei Punkte holen, müssen wir dennoch auf Schützenhilfe aus der Wedemark hoffen, die am Freitag ebenfalls ihr Spiel gewonnen haben und am Sonntag bei den Preussen Berlin ranmüssen. Wir halten euch auf jeden Fall über unsere Partie und sicher auch die Zwischenstände der Wedemark im Liveticker auf dem Laufenden.
Heute mit Grüßen aus dem Wigwam
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga
Zahlen und Fakten
Tore:
1:0 Arnold (Gosdeck / Überzahl-Tor) 28:49
2:0 Arnold (Noack) 55:01
2:1 Schnabel (Blank / sechster Feldspieler) 58:29
Strafen: Hannover Indians 24 Minuten – EHC Timmendorfer Strand 46 Minuten
Zuschauer: 3.249

Attachment