Knapp und spannend. Tölz siegt auch in Spiel 2

Dass die Viertelfinal-Serie gegen unsere Hannover Indians kein Spaziergang wird, haben die Tölzer Löwen schon beim ersten Aufeinandertreffen am Freitag festgestellt, als sie erst mit einem 1:0 in der Verlängerung den Sieg errungen. Und einfacher wollte es ihnen der ECH in Spiel 2 sicher auch nicht machen. Trotz der weiten Fahrt und dem Sonntagsspiel hatten rund 50 Tölzer bei frühlingshaften 18 Grad den Weg an den altehrwürdigen Pferdeturm gefunden.

Heiß her ging es auch auf dem Eis. Denn die Indians gerieten schon früh unter Tölzer Druck, die wie die Feuerwehr aus der Kabine marschierten. War sicher auch der frühen Strafzeit gegen die Indianer geschuldet. Bei eigener Überzahl sah das Ganze schon um einiges besser aus. Gibbons, Ziolkowski, Hein, Schwab und Valasek hatten alle den potentiellen Führungstreffer auf dem Schläger, bevor Pohanka in der 17. Minute dann auch nur das Außennetz traf. Passenderweise viel der erste Treffer der Partie auch bei Überzahl – jedoch in Unterzahl. Denn die Gäste nutzten einen Konter in der 19. Minute zu einem etwas glücklichen Tor, bei dem der Torschütze Strobl noch fast mit ins Tor rutschte. Die Indians erholten sich schnell. In der 20. Minute rutschte erst ein Schuss von Schwab an der Latte entlang, bevor Arnold im Nachschuss beinahe hätte Janka im Tölzer Tor überwinden können, dieser aber gerade noch rechtzeitig auf die andere Seite des Tores kam. Die wohl bislang dickste Chance des Spiels.

Ins zweite Drittel starteten die Indians nicht nur mit 46 Sekunden Überzahl, sondern sahen sich zudem weiter dezimierten Tölzern gegenüber, da Hörmann nach einem Check von hinten gegen Pohanka und Baker wegen unsportlichen Verhaltens beide jeweils eine 10-minütige Disziplinarstrafe absitzen mussten. Und was für ein Auftakt sollten die 3.366 Zuschauer sehen. Nach nur 16 gespielten Sekunden klingelte es im Tölzer Kasten. Arnold konnte einen satten Schuss von Ziolkowski von der Blauen in der 21. Minute zum 1:1-Ausgleichstreffer verwerten. Danach hätte der ECH sogar noch nachlegen können, aber traf nur die Latte oder Janka zwischen den Tölzer Pfosten. Wie so oft in den Playoffs machten die Special Teams den Unterschied. Dieses Mal war Tölz Mitte des Drittels im Powerplay. Und nachdem nach einer tollen Parade Pantkowski-Sprechchöre durch das Stadion hallten, tauchte urplötzlich Mangold frei im Halbfeld auf, konnte jedoch durch einen beherzten Einsatz von Turnwald, der den Puck erst abfing und noch im Fallen aus dem Drittel beförderte, gestoppt werden. Nur wenig später die nächste Unterzahl für die Hausherren. Und wir alle konnten der Zaubershow von Brano Pohanka zusehen. (Wie bemerkt in Unterzahl) zog er über rechts ins Drittel, links begleitet von drei Tölzern, von einem musste er schon den Atem im Nacken gespürt haben, ließ ihn jedoch stehen und versenkte eiskalt zum 2:1-Führungstreffer in der 30. Minute. Die Huldigungen des Torschützen hatten kaum abgeebbt, da folgte noch immer in Unterzahl die nächste Großchance, als Gibbons schoss und Gosdeck zum um Haaresbreite den Abpraller im Rücken von Janka verpasste. Jetzt wurde hier richtig Hockey gespielt. Ein Spiel mit offenen Visier und zunehmend mehr körperlicher Präsenz von beiden Teams. In den letzten zwei Minuten starteten die Indians-Fans mit ihrem schon aus Bad Tölz erprobten Hit „Hannover Indians olé“ und peitschten ihr Team weiter nach vorne. Kurioser Weise wurde jetzt zu diesem Zeitpunkt, da das Stadion bebte, Tölz wieder stärker. Die komplette Pause, die ganzen 15 Minuten war keine Sekunde Ruhe. Durchgängig erklang der Hannoveraner Schlachtruf.

Der Start ins Drittel gehörte den Löwen. Pantkowski musste schon in den ersten Minuten zweimal entscheiden eingreifen. In der nächsten Überzahl hatte unser Keeper dann keine Chance mehr. Kolacny mit einem Schuss von der Blauen und drin das Ding. 2:2 in der 44. Minute. Was für ein Spiel: beide Teams jeweils mit einem Tor in Überzahl und einem in Unterzahl. Dabei sollte es nicht bleiben. Denn nur eine Minute später umkurvte Baker Pantkowski und schon in der 45. Minute zum erneuten Führungstreffer ein. Aber noch war hier nichts gegessen. Wie es das Schicksal (oder auch der Schiri) so wollte, hatte der ECH direkt im Anschluss eine doppelte Überzahl. Und ein Happy End war zum Greifen nah, denn in der 47. Minute machte Schwab den erneuten Ausgleich, der Schiri zeigte auch schon „Tor“ an, aber entschied bei genaueren Untersuchungen, dass sich der Puck lediglich im Außennetz verfangen hatte. Das war gefühlt der Knackpunkt in dieser Partie. Tölz bekam den Puck in Unterzahl immer wieder schnell aus dem Drittel und wurde nach Komplettierung auch offensiv immer gefährlicher. In der 55. Minute noch eine Riesen-Chance: Huss steht frei mit dem Puck vorm leeren Tor, rutscht aber aus und bis er den Puck wieder unter Kontrolle hatte, war Pantkowski auch wieder auf der Höhe. Zu diesem Moment merkte man mal wieder, dass die Zeit relativ ist. Denn die Minuten vergingen wie Sekunden. Da wir alle wissen, wie die Geschichte ausgeht, machen wir es kurz. Indians mussten alles riskieren, nahmen 46 Sekunden vor Schluss die Auszeit, 39 Sekunden vor Ende und Bully bei Tölz ging Pantkowski vom Eis, noch 11 Sekunden zu spielen und ein Befreiungsschlag ging rechts am Tor vorbei. Mit der Schluss-Sirene und dem Mut der Verzweiflung ließ Ziolkowski dann noch einen Schuss aus 50 Metern Entfernung los, aber vergebens. Die Indians hatten hier alles, was sie hatten in die Waagschale geworfen, aber es hat einfach nicht gereicht.

Aber wie sagt man so schön? Totgesagte leben länger. Am Dienstag steht nun also die letzte Chance für den Traum vom Halbfinale für unseren ECH an. Um 19.30 Uhr heißt es in der Hacker-Pschorr-Arena „Do or die!“. Auch wir sind wieder für euch dabei und fiebern im Liveticker mit.

Heute mit Grüßen aus dem Wigwam
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

Zahlen und Fakten

Tore:

0:1 Strobl (Kathan, Vehmanen / Unterzahl-Tor) 18:01
1:1 Arnold (Ziolkowski, Schwab / Überzahl-Tor) 20:16
2:1 Pohanka (Bovenschen, Ziolkowski / Unterzahl-Tor) 30:28
2:2 Kolacny (Vehmanen, Endraß / Überzahl-Tor) 43:35
2:3 Baker (Frank, Sedlmayr) 44:34

Strafen: Hannover Indians 12 Minuten – Tölzer Löwen 46 Minuten

Zuschauer: 3.366

Das Happy End zum Greifen nahe: Das zwischenzeitliche 2:1 durch Brano Pohanka

 

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