Indians im Tor-Rausch – Sieg in Timmendorf

 
Urlaub an der Ostsee gilt ja allgemein als ruhig, entspannt und erholsam. Unser Kurzurlaub am Timmendorfer Strand war sicher alles – nur nicht das. Der geneigte Eishockey-Fan sah am Freitagabend nämlich ein Eishockey-Spiel mit jeder Menge Tore, beinahe noch mehr Strafen, mindestens einer handfesten Boxerei und jeder Menge glücklicher Indians-Fans.
Aber fangen wir doch mal vorne an. Nach seiner Pause stand Sebastian Albrecht wieder zwischen den Pfosten der Indianer. Und der bekam anfangs gleich gut zu tun, da sich die Indians schon in den ersten Minuten zweimal in Unterzahl sahen. Diese überstanden sie jedoch schadlos und legten dann selbst los. Und mit was für einem Tor! Pohanka tänzelte in der 11. Minute wie der junge Baryshnikov einmal über das halbe Feld, links vorbei und rechts vorbei und versenkt den Puck im Tor der Hausherren zum 0:1. Gewohnt bissig wollten die Nicht-mehr-Beachboys etwas dagegensetzen, wobei Timmendorfs Jason Horst Turnwald übermotiviert in die Bande jagte und dafür eine Spieldauer kassierte. Turnwald musste ebenfalls vom Eis und wurde in der Kabine behandelt. Hannover hatte genau die richtige Antwort auf diese Szene parat – spielerischer Natur. In der 13. Minute, nicht mal 30 Sekunden später, erhöhte Lukas Valasek bei 4 gegen 4 auf 0:2. Die Strafzeit wollte der ECH aber noch richtig nutzen. Somit klingelte es in der 15. und 16. Minute gleich zweimal im Kasten der Timmendorfer, als erst Pohanka und dann Ledlin in Überzahl trafen und mit dem 0:3 und 0:4 eine durchaus komfortable Führung zur Drittelpause herstellten. Bei einem sauberen Torschussverhältnis von 4:22 ging die Führung wohl durchaus in Ordnung. Und Timmendorfs Coach Steve Pepin wechselte noch vor Drittelende seinen Torwart aus.
Zum zweiten Drittel stand auch Nico Turnwald wieder mit auf dem Eis, den es zum Glück nicht schwerer erwischt hatte. Und Dank des nervösen Arms von Hauptschiedsrichter Janssen sahen sich unsere Indianer zu Beginn des zweiten Drittels abermals in Überzahl und nutzten diese wieder eiskalt aus. Es war erneut Lukas Valasek, der in der 22. Minute einen Pass von Arnold in den Slot bekam und in doppelter Überzahl auf 0:5 erhöhte. Und weil es so viel Spaß machte und wir ja weiterhin noch mit einem Mann mehr auf dem Eis waren, schob Bacek nach einer traumhaften Passstafette in der 24. Minute gleich noch zum 0:6 ein. Ob es jetzt aus Frust oder Motivation war, ist vermutlich Ansichtssache – aber nur wenig später lieferten sich Ex-Indianer Max Wasser und Leon Lilik einen Fight, der seinesgleichen suchte und durften sich dann auf der Strafbank mit 2+2+10 abkühlen. Wie es manchmal so ist: wenn das Spiel eigentlich schon verloren ist, fällt das Hockeyspielen auf einmal viel leichter. In der 37. Minute gelang auch Timmendorf der erste Treffer des Abends, als Lupzig (wie sollte es anders sein) in Überzahl zum 1:6 einnetzte. Somit ging es für den EHTC nicht mehr torlos in die nächste Pause.
Im dritten Drittel machten die Teams dann da weiter, wo sie aufgehört hatten: beim Toreschießen. Im Powerplay hatte Tobi Schwab ein paar Meter zu viel Platz und versenkte den Puck zum 1:7. In der 50. Minute sollten wir dann den letzten (und siebten) Überzahl-Treffer des Abends sehen, die Unterzahl hatte Timmendorf übrigens einer Strafe gegen den Trainer wegen Reklamierens zu verdanken, als Morczinietz perfekt am langen Pfosten stand und nur noch zum 1:8 einschieben musste. Man hätte beinahe den Eindruck bekommen können, dass Soccio die Devise ausgegeben hätte, es gäbe eine Kiste Bier auf der Rückfahrt, wenn wir hier 10 Buden machen, so motiviert spielten die Indianer weiter. Nach Lattentreffer von Schwab und einem Pfostenschuss von Morczinietz waren es allerdings die Hausherren, die das nächste Tor markierten. Max Wasser traf in der 54. Minute zum 2:8. Aber nicht mit den Indians. Noch immer schrieben wir die 54. Minute als Finkel nach einem wunderschönen Spielzug goldrichtig stand und zum 2:9 traf. Das finale 3:9 durch Max Wasser in der 56. Minute ging beinahe in den Wechselgesängen zwischen den Timmendorf- und Hannover-Fans unter. Wenn man es genau betrachtet, hatten heute sogar nur Hannoveraner Tore gemacht – da ja auch Wasser und Lupzig den Indianer schon auf der Brust trugen. Während die EHCT-Fans nicht ganz so angetan vom Spiel das Stadion verließen, feierten die Indianer und ihre mitgereisten Fans gebührend den tollen Sieg. Und ganz ehrlich – gegen so ein Spiel tauscht man doch fast jeden Ostsee-Urlaub ein…
Hoffen wir, dass ein bisschen der Euphorie und Zielsicherheit noch beim kommenden Heimspiel am 1. Advents-Sonntag gegen die wieder erstarkten Füchse aus Duisburg zu sehen sein wird. Die Übung der Special Teams dürfte bei dieser Partie durchaus vonnöten sein. Anpfiff ist wie gewohnt um 19 Uhr am Pferdeturm.
Viele Grüße aus Eishockey-Deutschland
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga
Zahlen und Fakten
Tore:
0:1 Pohanka (Schwab, Tramm) 10:38
0:2 Valasek (Ledlin, Pohl) 12:59
0:3 Pohanka (Bacek, Schwab / Überzahl) 14:53
0:4 Ledlin (Uusivirta, Fröhlich / Überzahl) 15:58
0:5 Valasek (Turnwald, Tramm / Überzahl 2) 21:37
0:6 Bacek (Pohanka, Uusivirta / Überzahl) 23:17
1:6 Lupzig (Clairmont, Montminy / Überzahl) 36:58
1:7 Schwab (Pohanka, Uusivirta / Überzahl) 46:12
1:8 Morczinietz (Uusivirta, Bacek / Überzahl) 49:07
2:8 Wasser (Gulda) 53:02
2:9 Finkel (Schwab, Pohanka) 53:50
3:9 Wasser (Gulda) 55:31
Strafen: EHC Timmendorfer Strand 06 65 Minuten – Hannover Indians 36 Minuten
Zuschauer: 407