Trotz Niederlage gut verkauft in den Niederlanden

Auswärtsspiel bekam am Sonntag eine ganz neue Dimension und wurde zum Auslandsspiel. Unser ECH musste beim amtierenden Oberliga-Meister aus Tilburg ran. Alles ist hier ein bisschen anders. Man rät eher, was die Autobahn-Schilder bedeuten, was „Verboden te roken“ in der Halle heißt, kann man sich immerhin noch denken und die knallbunte UFO-Beleuchtung im Ijssportcentrum Tilburg ist sicher Kunst.Nachdem die Mannschaftsvorstellung der Indianer (beinahe überraschend) fast fehlerfrei vorgetragen wurde – sieht man mal von leichten Problemen bei „Anschar Preuss“ und „Artür Grass“ ab – ging es los. Der ECH hatte sich an die körperbetonte Spielweise der Hausherren angepasst und suchte oft den direkten Kontakt in den Zweikämpfen. Spielerisch hatte Tilburg hier jedoch die Nase vorn, was sie in der 4. Minute mit dem 1:0 untermauerten. In der 13. Minute konnte van Oorschot, nach einem verunglückten Querpass, der die Scheibe erst richtig gefährlich machte,  direkt auf 2:0 erhöhen.Der ECH tat sich etwas schwer, in das temporeiche Spiel zu finden. Während die Trappers ein ums andere Mal für ein Raunen im Publikum sorgten, konnte die Indians lediglich zwei aussichtsreiche Chancen kreieren. Die einzige Strafe des Drittels bekamen wir rund eine Minute vor Schluss zu sehen. Noch zum Bullyanspiel bereit, schickte der Schiri Gibbons wegen Behinderung auf die Strafbank. Dabei war noch nicht mal angespielt worden. Ich gehe inzwischen auch schon das eine oder andere Jährchen zum Eishockey. Dass man Spieler vom Bully wegschickt, okay. Aber eine Strafe wegen Behinderung beim Anspiel hab ich wohl noch nie gesehen. Vielleicht auch eine holländische Spezialität.

Nach überstandener Rest-Unterzahl kamen unsere Indianer besser ins Spiel. In der 22. Minute zeigten Lambacher und Gibbons eine schöne Kombi. Lambacher landete für den Sahnepass in der Bande und Gibbons scheitert nur um Zentimeter. Auch Yannik Baier zeigte sich kurz später von seiner zweitbesten Seite – wär es seine beste, hätte er das Ding reingemacht. Er versuchte, den Torwart aussteigen zu lassen, aber der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Wenig später traf er an die Latte. Die erste Überzahl-Situation für die Indians kam zu dem Zeitpunkt gerade richtig. Allerdings habe ich schon lange keine so offensive Unterzahl mehr gesehen wie die von Tilburg. Nur selten kamen wir überhaupt in Formation. Während ich noch versuchte, den Text der holländischen Version von „Cowboy und Indianer“ nachzuvollziehen, ging es auf dem Eis richtig zur Sache. Angefangen hatte alles mit einem Check von Arnold an der Bande. Das Spiel lief noch rund 20 Sekunden weiter, da Tilburg eine Torchance witterte. Als die allerdings entschärft war, wurde eine Sprache gesprochen, die alle verstanden: die der Fäuste. Tilburgs Colier schubste und pöbelte so lange, bis Arnold sich schließlich auf eine handfeste Boxerei einließ. Das Ergebnis waren letztendlich 2 Minuten wegen Bandenchecks und eine Spieldauer wegen unnötiger Härte für Arnold, 2 Minuten wegen Stock-Checks und eine Spieldauer wegen unnötiger Härte für Colier sowie ein Arbeitseinsatz des Eismeisters, der das Blut vom Eis kratzen musste. Max Wasser rückte dann für Arnold auf, womit die vierte Reihe, die heute öfter zum Einsatz kam, weitestgehend pausieren musste. Zu dieser Phase kamen jetzt mehr Abschlüsse seitens der Indianer, was in der 38. Minute auch folgerichtig im 3:1 Anschlusstreffer durch Grass führt. Grass stibitzt sich den Puck beim Querpass, lässt einen Tilburger aussteigen, zockt sich bis zum Torwart durch und versenkt.
Auch im finalen Spielabschnitt zeigten sich die Indians von der Außenseiterrolle wenig beeindruckt und spielten weiter gut mit. Was jedoch fehlte, war ein gottverdammtes Tor. In der 46. Minute hätte es so weit sein können, als gegen Tilburg eine Strafe angezeigt war, unsere Indianer jedoch etwas zu motiviert waren und sich beim Wechsel somit mit sieben statt der erlaubten sechs Spieler auf dem Eis fanden. Daher ging es mit 4-4 weiter. Hier spielte Tilburg seine technische Stärke jetzt wunderbar aus. Da ist sogar die ganze Halle plötzlich aufgewacht und feuerte ihr Team an. Sonst herrschen hier eher NHL-Verhältnisse. Wenig Fans mit Trikot und Trommeln, aber viele sitzende Zuschauer, die das Spielgeschehen mit Raunen oder Schimpfen bedenken. Knapp zwei Minuten vor Schluss entschied sich Stolikowski, eine Auszeit zu nehmen, um seine Mannen auf den Schlussspurt vorzubereiten. Jedoch spielte Tilburg die Zeit so clever herunter, dass Deske kaum die Chance hatte, vom Eis zu gehen. Gerade mal die letzten 28 Sekunden sahen sich die Indians numerisch in der Überzahl. Exakt bei 59:59 traf McColgan dann abschließend zum 4:1 ins leere Tor.
Ein 3:1 hätte vielleicht auf dem Papier schicker ausgesehen, aber wir haben zumindest alles versucht. Wenn man nach dem Spiel vor der Halle stehen kann und mit der Leistung zufrieden ist, ist das schon ein gutes Zeichen. Beim kommenden Heimspiel am Freitag gegen die Rostock Piranhas muss man an die gute Leistung anknüpfen, die Punkte aber am Turm behalten. Anpfiff der Partie ist wie immer um 20 Uhr.
Viele Grüße aus Eishockey-Deutschland
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga
Zahlen und Fakten
Tore:
1:0 Bastings (van Gorp, Vogelaar) 3:35
2:0 van Oorschot (Hagemeijer, Larson) 12:34
3:0 Larson (Hagemeijer, van Oorschot / Überzahl-Tor) 25:00
3:1 Grass (ohne Assist) 37:18
4:1 McColgan (Houkes, Meierdres / Empty Net) 59:59
Strafen: Tilburg Trappers 33 Minuten – Hannover Indians 37 Minuten

Zuschauer: 2.000

Unser ECHtes Livetickerteam: Nessie und Markus Casper

Unser ECHtes Livetickerteam: Nessie und Markus Casper