Niederlage gegen Rostock tut richtig weh

„The last 10“ könnte man sagen – die letzten zehn Spiele der Vorrunde sind angebrochen. Start des Endspurts machten die Piranhas aus Rostock. War es beim Spiel auf Rostocker Eis noch ein recht zähes Spiel, sollte es am letzten Freitag eher turbulent am Pferdeturm zugehen.

Branislav Pohanka, der zuletzt etwas seiner alten Stärke, was das Tore machen hinterherlief, fand zu alter Form zurück. In der 5. Minute kam er wie in seinen besten Zeiten in den Slot geschossen und hob den Puck über die Schulter des Torwarts ins Netz. Nur 25 Sekunden später – Toddy war gerade noch dabei, den Eröffnungstreffer durchzusagen, da klingelte es wieder im Kasten der Piranhas. Pohanka könnte sich mit dem 2:0 gleich doppelt in die Torschützenliste eintragen. „Nur noch acht“ skandierte die Nordkurve schon und ich sah mich schon kreative Überschriften wie „Indians machen Sushi aus Piranhas“ ausdenken. Jedoch stand das heute nicht auf der Speisekarte. In der 7. Minute konnte Kunce mit einem aus ECH-Sicht unglücklichen Treffer schon zum 2:1 einnetzen, obwohl unsere Indianer bisher alles im Griff hatten. Den überraschenden Treffer konnte der ECH aber schnell abschütteln. Sogar direkt nach einer überstandenen Unterzahl ging es in der 14. Minute unmittelbar wieder offensiv nach vorne. Die Gäste zeigten sich allerdings als effizientere Mannschaft. In der 15. Minute konnte Kurka nach einem Bilderbuch-Querpass, wie er in jeder Hockey-Fibel steht, ausgleichen. Kriegste einen – musste halt einen machen, dachte sich wohl auch Yannik Baier, der nur gut eine Minute verstreichen leiß, um seine Mannschaft wieder in Führung zu bringen. In der 18. Minute bekam Peleikis den Puck unvermittelt auf den Schläger, geht allein auf’s Tor zu, muss nur noch den Torhüter aussteigen lassen, um die Führung auszubauen, bleibt aber am Keeper hängen. Beinahe postwendend ging das Spiel dann wieder zurück in die andere Richtung und Bezouska stellte kurz vor Drittelende den Ausgleich wieder her. Nach so einem tollen Start, konnten die Indianer mit dem Ergebnis zur ersten Pause definitiv nicht zufrieden sein.

 

In den zweiten Spielabschnitt startete der ECH mit dem falschen Fuß und ließ Rostock zu viele Entfaltungsmöglichkeiten. So konnte abermals Bezouska seine Piranhas in der 26. Minute mit einem harten Schuss erstmals in Führung bringen. Mitte des Drittels hatten sich die Hausherren wieder etwas gefangen und nahmen das Zepter wieder in die Hand. Zur Drangphase kam dann in der 11. Minute auch noch eine Überzahl-Situation, aus der etwas zu wenig gemacht wurde. In dieser heiklen Situation bedachten die ECH-Anhänger ihr Team schon mit ersten Pfiffen.

 

Eigentlich habe ich jetzt gar keinen Bock mehr, weiter zu schreiben und tue das nur aus reinem Pflichtgefühl. Nachdem ihnen im vorangehenden Spiel schon zwei Treffer gelungen waren, drehte Rostocks Parade-Reihe um Bezouska erst richtig auf. In der 43. Minute traf der Tscheche nach einem Abpraller zum 3:5 und konnte den Hattrick auf seiner Wunschliste abhaken. Nur rund drei Minuten später ließ er seinem Sturmpartner Kurka den Vortritt und der konnte halbhoch zum 3:6 einschieben. Die Stimmung im Stadion schien nun endgültig zu kippen. Vorerst den Kitt für die empfindliche Beziehung zwischen Fans und Mannschaft hatte Max Wasser parat, der sich in der 47. Minute mit dem rund 15 cm größeren Daniel Kunce anlegte. Dafür bekamen beide Teilnehmer 2+2+10 Minuten, aber dafür war das Feuer der Nordkurve und die Hoffnung, das Spiel zu drehen, wieder entfacht. Die Gangart wurde nun zunehmend härter. Der ECH musste auch alles auf eine Karte setzen, um doch noch ein paar Punkte mit aus der Partie zu nehmen. In der 49. Minute nahm Rostocks Trainer Ken Latta dann eine Auszeit, um den Druck herauszunehmen. Die bessere Taktik hatten aber wohl die Indians gerade besprochen. Denn in der 50. Minute traf Alex Lambacher zum 4:6 und erreichte somit das erste Etappenziel. Die Indians warfen jetzt alles nach vorne, was sie finden konnte und die Indians-Fans hatten schon zum Jubeln angesetzt, als Yannik Baier in der 52. Minute nur das Außennetz traf. Mit erhöhtem Puls ging es weiter und der Schwung wurde jäh unterbrochen, als Hauptschiedsrichter Brodnicki sich entschied, ein Haken gegen Hein nicht zu pfeifen, jedoch Gosdeck mit einem etwas kleinlichen Pfiff im direkten Vergleich wegen Beinstellens auf die Strafbank zu schicken. Nach Komplettierung versuchten die Indians den Puck mit bloßer Willenskraft ins Tor zu bugsieren. Jedoch reichte den Gästen ein guter Konter, um mit dem 4:7 endgültig den Sargnagel einzuklopfen.

 

Nach einem so fulminanten Start hatten sich sicher alle Beteiligten (nehmen wir die Rostocker mal aus) sicher einen anderen Spielverlauf gewünscht. Die Piranhas haben das Spiel mit Effizienz und einfachem Hockey gewonnen. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gab Trainer Stolikowski einen kleinen Einblick in die Statistik. Sieben Tore konnte Rostock bei nur 21 Torschüssen machen. Einfach ein Spiel zum Vergessen. Jetzt müssen wir uns wieder aufs Punkte einfahren konzentrieren. Allerdings muss ich noch eine Sache sagen, weil ich sonst nicht in Ruhe schlafen kann. Als Fans, die wir uns unseren ECH ausgesucht haben – durch Höhen, Tiefen, Aufstiege und Pleiten gegangen sind – sollten wir gerade in einer schwierigen Situation hinter unserem Team stehen. Wenn es nicht läuft, wird die Leistung sicher nicht durch Pfiffe besser. Dass es grad scheiße ist, wissen die Jungs auch selbst, wenn sie auf dem Eis stehen. Und ich war immer stolz darauf, ein Teil der Indians-Fans zu sein, die eben Fans und keine Zuschauer oder Kunden sind. Wenn wir also nächstes Mal wieder zusammen in der Kurve stehen, lasst uns gemeinsam den Weg nach oben beschreiten. Denn jetzt zählt’s – und wir sind doch schließlich ein Stamm. Proud to be an Indian!

 

Heute mit Grüßen aus dem Wigwam
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

 

Zahlen und Fakten

 

Tore:

 

1:0 Pohanka (Lambacher, Peleikis) 4:12
2:0 Pohanka (Lilik, Wasser) 4:37
2:1 Kunce (Lemmer) 6:38
2:2 Kurka (Bezouska, Michalek) 14:54
3:2 Baier (ohne Assist) 16:16
3:3 Bezouska (Michalek, Kurka) 17:54
3:4 Bezouska (Kurka, Michalek) 25:39
3:5 Bezouska (Kurka, Michalek) 42:55
3:6 Kurka (Bezouska, Sternkopf) 45:47
4:6 Lambacher (Gibbons, Peleikis) 49:57
4:7 Striepeke (Lemmer, Ullmann) 56:40

 

Strafen: Hannover Indians 22 Minuten – Rostock Piranhas 16 Minuten

 

Zuschauer: 2.809

Attachment