Erstes Berlin-Spiel mit vielen Toren und noch mehr Strafen

 
 Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen Berlins. Bevor es am Sonntag zu FASS Berlin, stand heute erst mal die Partie gegen die Preussen an. Letztes Jahr noch Kellerkind hat sich der ECC im Sommer gut verstärkt und will sich im Mittelfeld etablieren. An der Bande steht mit Lenny Soccio ein alter Bekannter. Nicht so, dass man ihm unbedingt ein Berliner Kindl ausgeben würde, aber man kennt sich halt. Bessere Internet-Verbindung hat er allerdings nicht mit in die Hauptstadt gebracht – unser persönlich größtes Sorgenkind, wenn wir bei den Preussen zu Gast sind.
Ins Spiel starteten beide Teams noch etwas verhalten und tasteten sich ab. Mit der ersten echten Chance in der 3. Minute gelang es Carsten Gosdeck auch gleich, das erste Tor der Partie zu erzielen. Das nennt man wohl 100% Quote. Besonders schön, da die Chancenverwertung zuletzt nicht unter Stärken im Lebenslauf aufgetaucht wäre. In der 10. Minute hätte es eigentlich den Ausgleich in Überzahl geben müssen. Nach schönem Kombinationsspiel stand ein Berliner vogelfrei vor Pantkowski, der heute aber einen Sahnetag erwischt hatte und den Puck parieren konnte. Auch wenn Berlin bisher wenige Torszenen vermelden konnte, waren sie im Überzahlspiel brandgefährlich und Pantkowski hatte alle Hände voll zu tun. Bei 5 gegen 5 hatten jedoch die Indians Oberhand. Und das setzte Branislav Pohanka in der 13. Minute auch in ein Tor um. Nach sehenswerter Vorarbeit von Grass, der die halbe Berliner Mannschaft austanzte, konnte Pohanka einen Abpraller mit der Rückhand verwerten und zum 0:2 einnetzen.
Scheinbar schien es eine kleine Kabinenpredigt aus Seite der Hausherren gegeben zu haben, denn zum Start des zweiten Drittels war nichts mehr mit Abtasten, da ging’s gleich zur Sache. Noack gelang es, einen Schuss der Berliner in der 23. Minute zu blocke und er war auf und davon. Im Alleingang marschierte er über’s halbe Spielfeld, lässt noch einen Verteidiger aussteigen und versenkt den Puck im Tor der Preussen. Nicht mal eine Minute später war der ECH erstmals im Power Play. Da hätten sie den Sack beinahe schon zumachen können, aber konnten den Berliner Goalie Schmidt nicht überwinden. Jedoch schien auch das 3:0 Wirkung gezeigt zu haben, denn die Hausherren hatten ihren Spielfluss eingebüßt.
Mal ganz subjektiv betrachtet, schien das dritte Drittel im Zeichen der alten Fußballweisheit „Wenn wir schon nicht gewinnen, dann treten wir ihnen eben den Rasen kaputt.“ zu stehen. Nur halt ohne Rasen. Aber kaputt machen war angesagt. Standen im ersten Drittel zwei Strafen für den ECH auf der Haben-Seite, waren es im zweiten Drittel drei für Berlin. Ende des dritten Spielabschnitts sollten dann 14 niedergeschrieben werden. Insgesamt bei dem Spielstand einfach unnötig. Den Strafenreigen beginnen sollte Berlins Schimming, der Artur Grass mit einem Kniecheck niederstreckte. Mit Spieldauer konnte er dann duschen gehen. Die folgenden 5 Minuten Power Play hätten in der Haltungsnote sicher eine 5,8 bekommen. Aber die Indians schlugen aus den schön erspielten Chancen kein Kapital. Aber dann muss es halt auch ohne Überzahl gehen. In der 51. Minute rammte Peleikis den vierten Nagel in den Berliner Sarg. Rund vier Minuten vor Schluss hätten wir uns ja friedlich auf das 4:0 einigen können. Aber Pustekuchen. In der 57. Minute gab’s es auf beiden Seiten 2+2 Minuten nach einem kleinen Faustkampf am Boden, bei dem Arnold eigentlich eher Statist als Protagonist war. Trotzdem ging’s in die Kühlbox wegen unnötiger Härte. Nicht mal eine Minute später kam dann die Fortsetzung. Volynec nagelte Wasser unsanft in die Bande. Da dieser sich grad nicht wehren konnte, griff Gibbons ein und ein Fight im Halbschwergewicht bahnte sich an. Punktsieg ging an Gibbons, was allerdings nur bedingt erklärt, warum Hauptschiedsrichter Posacki dafür auf Matchstrafe wegen Faustschlägen gegen Gibbons entschied und sein Gegenüber Schmidt nur eine Spieldauer wegen unnötiger Härte bekam. Jemand hole mir einen Mi-mi-mi-Tee – aber warum bitte bekommen wir für alles immer direkt eine Matchstrafe? Aber ich schweife ab. Der ursprüngliche Übeltäter Volynec bekam noch 2+10 wegen Checks von hinten. Ein paar Minuten und einige „Lenny Soccio ist ’ne Frau“-Gesänge der rund 75 mitgereisten Indians-Fans später war das Spiel dann auch beendet. Gibbons wurde noch als bester Spieler auf Seiten der Indians gekürt, was mich zu der Frage bringt, ob diese Wahl schon fünf Minuten vor Ende des Spiels getroffen wurde oder die Berliner eine merkwürdige Art von Humor haben.
Im letzten Spiel gegen Hamburg noch 4:0 verloren und jetzt 4:0 gewonnen – kann man wohl als ausgleichende Gerechtigkeit sehen. Bitter ist jedoch der Ausfall von Gibbons, der einer der Leistungsträger der vergangenen Wochen war. Seien wir gespannt, auf wie viele Spiele Sperre dieses Mal entschieden wird. Sportlich weiter geht es dann am Sonntag mit dem dritten Auswärtsspiel in Folge, abermals in Berlin. Vom Spiel gegen FASS halten wir euch natürlich wieder im Liveticker auf dem Laufenden.
Viele Grüße aus Eishockey-Deutschland
Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga
Zahlen und Fakten
Tore:
0:1 Gosdeck (Peleikis, Pohanka) 2:19
0:2 Pohanka (Grass, Gosdeck) 12:20
0:3 Noack (ohne Assist) 22:22
0:4 Peleikis (Valasek, Lilik) 50:30
Strafen: ECC Preussen Berlin 74 Minuten – Hannover Indians 37 Minuten
Zuschauer: 440