Erste Auswärtsfahrt bringt erste Saison-Niederlage

Würde ich heute so schreiben, wie ich gerne würde, könnte das unter Umständen einer der letzten Spielberichte werden. Daher bleiben wir mal weitestgehend bei den Fakten. Wenn wir das Spiel positiv sehen wollen, kann man sagen: wir haben immerhin einiges erlebt. Wobei mir drei Punkte lieber gewesen wären.

Die HEV-Fans eröffneten ihr erstes Heimspiel mit einer Choreo, die unter dem Motto „HEV – nur du bist meine Welt“ stand. Scheinbar zusätzliche Motivation für die Männer auf dem Eis. Gleich zu Beginn zeigte Herne, dass sie das magere 1:0 beim letzten Gastspiel unserer Indians in der Vorbereitung nicht noch einmal wiederholen wollten. Der ECH sah sich echtem Überfall-Eishockey gegenüber und kam zu Beginn kaum aus dem eigenen Drittel. Zwischendrin zeigten zwar auch unsere Krieger, dass sie zum Eishockeyspielen gekommen waren, aber nach Punkten ging die erste Runde klar an Herne. Allerdings verpassten die Gastgeber, ein Tor zu machen, was nicht zuletzt am bärenstarken Boris Ackers lag. Zum Ende des Drittels wurde die Partie schon hitziger. Bis hierhin habe ich mir erspart zu betonen, dass eine Frau die Partie gepfiffen hat. Allerdings passt es an dieser Stelle so gut. Wo die beiden beteiligten Herren hätten lieber Taten sprechen lassen, wollte Hauptschiedsrichterin Ramona Weiss (und ich als Frau darf das sagen) lieber reden…

Eine Überzahl zu Beginn des zweiten Drittels konnten die Indians nicht nutzen. Herne machte es da besser. In der 30. Minute fiel dann doch das erste Tor des Spiels, das Ex-Indianer Thomas Dreischer erzielte. Doch es kam noch schlimmer aus ECH-Sicht. Denn Herne holte zum Doppelschlag aus und nur 35 Sekunden später erhöhte Dominik Luft sehenswert auf 2:0. Während ich noch versuchte die Textzeile „Ihr seid das Ruhrgebiet…“ aus meinem Kopf zu verbannen, hatten die Indians alle Hände voll zu tun, das Spiel nicht aus der Hand zu geben. Obwohl Herne aus allen Lagen schoss, sollte es dem ECH gelingen. Schon in der 32. Minute war es Artur Grass, der zum 2:1 Anschluss-Treffer traf. Die Freude hielt allerdings nur kurz, denn in der 34. Minute stellte Bradley Snetsinger mit dem 3:1 den alten Abstand wieder her. Beinahe hatten unsere Jungs die passende Antwort parat. Aber das in der 35. Minute von Robby Hein erzielte Tor wurde nicht gegeben. Allerdings war jetzt der ECH on fire und fuhr Angriff um Angriff. Letztendlich ging’s aber doch mit einem 2-Tore-Rückstand in die Kabine.

Besonders spannend wurde es im Schlussdrittel in der 49. Minute. Jedoch nicht wegen etwaiger Tore. Die Kurzfassung: Pohanka geriet unmittelbar hinter dem Herner Tor in Bedrängnis und wurde vom Verteidiger ins Torgestänge gedrückt, das er aus den Angeln hob und so über den Torwart kippte. Daraufhin knöpfte sich ein Herner unseren Kapitän vor und beide endeten verknotet wie ein Wollknäuel am Boden. Von der gefühlt 48-minütigen Unterbrechungs- und Diskussionspause mal abgesehen, weiß bis jetzt noch immer keiner genau, was da vor sich gegangen ist. Ich halte mich mal an ein Zitat, das über die Indians-Facebook-Seite veröffentlicht wurde. „Branislav Pohanka erhielt von Schiedsrichterin Ramona Weiss eine Matchstrafe wegen ‚Beißen in den Finger‘. Die Indians werden selbstverständlich sämtliche Rechtsmittel nutzen, um gegen diese aberwitzige Strafe Einspruch einzulegen.“. Lassen wir das mal so stehen… Zurück zum Sportlichen. Trotz des Ausfalls unserer Nummer 25 gingen die Indians weiter auf Torejagd und belohnten sich in der 56. Minute mit dem erneuten Anschlusstreffer durch Robert Peleikis. In der heißen Schlussphase konnte ich mir ein ungläubiges Schmunzeln nicht verkneifen, als aus dem Herne-Block „Schieber, Schieber“-Rufe zu hören waren. Was man bei einer Strafverteilung von 12 zu 37 Minuten sicher nachvollziehen kann. Aber die HEV-Fans protestieren ja gern lautstark, wenn einer ihrer Spieler am Boden ist. Auch wenn sich dieser nur die Schuhe schnürt. Knapp zwei Minuten vor Schluss entschied sich Tobias Stolikowski, mit vier Stürmern aufzulaufen und nahm bei der nächsten Gelegenheit Boris Ackers vom Eis. Ein Happy End blieb jedoch aus – Aaron McLeod schob in der 60. Minute zum 4:2 ins leere Tor ein.

Alles in allem muss man sagen, dass Herne über weite Strecken den Indians immer einen Schritt voraus war. Allerdings trägt das Spiel einen faden Beigeschmack mit sich. Weiter auf Punktejagd geht es dann übrigens am kommenden Freitag in Braunlage, wo wir euch wieder mit einem Liveticker auf dem Laufenden halten werden.

Viele Grüße aus Eishockey-Deutschland
Euer Liveticker-Team