Derbysieger, Derbysieger hey hey!

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Die Befürchtung lag nahe, dass viele der Indians-Anhänger den Weg zum Turm gar nicht finden sollten. Hatten die Indianer zuletzt doch vier Spiele in der Fremde zu absolvieren. Die Angst war jedoch unbegründet. 4.608 Zuschauer hieß es zu einem der wohl vorerst letzten Derbys gegen Langenhagen – ausverkauft. Während die ECH-Fans noch damit beschäftigt waren, einen ordentlichen Platz in der Kurve zu sichern, vertrieben sich die ESC-Anhänger die Zeit, „niveauvolle“ Liedchen zu trällern, die meist von Amüsierdamen aus dem horizontalen Gewerbe und deren Söhnen handelten. Um es mal jugendfrei auszudrücken.

Nach einer Ewigkeit konnte Trainer Stolikowski auf volle Mannstärke setzen, da es keine verletzten oder gesperrten Spieler mehr gab. Sportlich setzte der ECH die Marschroute schnell fest. Brian Gibbons – erster Shift – erster Check – und dummer Weise die erste Strafe. Wobei man im Sinne der Gleichberechtigung auch einen Langenhagener wegen einer Anschlussaktion hätte vom Eis stellen können. In der 11. Minute wurde es vor Deskes Tor, der sich erstmals dem Heimpublikum präsentierte, gleich doppelt brenzlig. Zuerst konnte er eine Doppelchance entschärfen und nachdem einer der Gäste nachstocherte ging es hitzig zu. Während Lupzig und Baier sich noch wild schimpfend gegenseitig zur Bank begleiteten, gab es an der Bande hinterm Tor schon erste kleine Auseinandersetzungen. Es waren zwar erst zehn Minuten gespielt, aber die wirkten enorm lang. Beinahe endlich kann man sagen, erlöste Dennis Arnold sein Team mit dem 1:0-Überzahltreffer in der 11. Minute. Zu der Zeit hallte dann auch erstmals die Durchsage durch die Lautsprecher, dass keine Gegenstände aufs Eis geworfen werden sollen, da dies zum Spielabbruch durch das Schiedsrichtergespann führen könnte. Sportlich ging es weiter. In der 17. Minute hätte bei einer 3 auf 1-Situation nach einem Traumpass von Gibbons eigentlich schon der zweite Treffer für die Indians fallen müssen, allerdings dachte Hein, der Pass wäre für den ebenfalls mitgelaufenen Gosdeck gedacht. Dann wird das einfach nachgeholt. Kurz vor Ende hatte Gosdeck freie Sicht und der Puck zappelte in der 19. Minute hinter Mathis im Netz.

Der Start in den zweiten Spielabschnitt gestaltete sich etwas mühsamer. Am Turm spricht man schon vom Mythos des schwachen zweiten Drittels. Bis zur Mitte des Drittels war tatsächlich vorerst nur ein Pfostenschuss von Pohanka in der 25. Minute nennenswert. Nach einer eher kleinlichen Strafe gegen Lilik in der 31. Minute äußerte sich erstmals etwas Unmut gegen den Schiedsrichter bei den Fans. Wenn man das pfeift, muss man eigentlich schon drei Szenen vorher gegen die Scorpions geben. Aber wer will meckern. Sehen wir es positiv: Niklas Deske konnte vor ausverkauftem Haus sein Können beweisen und nach zwei super Saves in Unterzahl, ertönten erstmals Deske-Sprechchöre unterm Dach des Pferdeturms. Einen weiteren Schritt in Richtung Derbysieg machte Yannik Baier in der 38. Minute. Fast schon wie ein Flummi kam der Puck seitlich angesprungen und suchte sich seinen Weg ins Scorpions-Tor. Man hat zwar schon Pferde kotzen sehen, aber eigentlich durfte hier nicht mehr allzu viel Anbrennen. Die endgültige Derby-Mentalität brachte dann eine Szene rund 20 Sekunden vor Schluss. Langenhagens DeCoste war vor dem eigenen Tor bereits am Boden und klemmte rein zufällig Gosdecks Stock unter sich ein. Rund 15 Sekunden lang, bis endlich abgepfiffen wurde. Gebückt fuhr er zurück zur Spielerbank, wo er sich erstmals mit den dahinterstehenden Fans anlegte, die ihn nicht gerade mit „Welcome back“-Bannern begrüßten. Da denkt man, die Zeit der Pöbeleien zwischen Fans und Scorpions-Bank sind mit Soccio passé, aber einer findet sich doch immer.

Ins letzte Drittel starteten wir dann wieder deutlich druckvoller. Nach nur 26 Sekunden schwimmt der Puck nach einer Parade von Mathis frei vorm Tor, jedoch waren die Scorpions den entscheidenden Schritt schneller. Besser lief es dann in der 48. Minute. Bei einer angezeigten Strafe und somit einem sechsten Feldspieler vollstreckte Pohanka und revanchierte sich somit beim ESC für etliche unfreiwillige Kontakte mit der Bande. In den letzten 12 Minuten kochten die Emotionen etwas über. Es begann mit Hein am Puck, der einen Stock auf den Handschuh bekam. Statt zwei Minuten wegen Stockschlags gab es dann jedoch 2+10 wegen unnötiger Härte und unsportlichem Verhalten gegen Baier, der seinem Sturmpartner zur Hilfe kam. Nur 30 Sekunden später gab es die nächste Rangelei. Nachdem Deske einen Schuss entschärfte und den Handschuh auf dem Puck hat, stochert Niddery nach, woraufhin unser Keeper ihm die Meinung geigt und dieser wiederum handgreiflich wird. Da sah es schon langsam danach aus, dass das Spiel ab sofort wohl sportlich weniger Akzente aufweisen dürfte. Auf der Strafbank wurde es jetzt richtig kuschlig. Während auf Scorpions-Seite mit drei Mann Skat gespielt werden konnte, sind die vier kaltgestellten Indianer wohl auf Doppelkopf ausgewichen. Ein letztes Tor sollten wir vor dem großen Finale aber auch noch bejubeln können. Mathis kann einen Schuss von Finkel nur prallen lassen, Hein hinter dem Tor hellwach, macht drei schnelle Schritte und schiebt hinter dem Keeper ein. Es standen noch 1:23 auf der Uhr, da ging es nochmal zur Sache. Max Wasser wurde direkt vor der Scorpions-Bank gecheckt und gleich zwei gingen im Anschluss auf ihn los. Nach einigen kleineren Auseinandersetzungen war dann noch der Hauptkampf des Abends zu bewundern. Armin Finkel und Kyle DeCoste in bester Rocky-Manier. Während jetzt erstmal die gesamten Strafen sortiert wurden, machte Deske sich direkt Freunde in der Nachbarschaft, als er auf Pöbeleien mit einem Fingerzeig auf die Anzeigetafel reagierte. Inzwischen wurden folgende Strafzeiten notiert: Armin Finkel 2+2+10 Minuten, Max Wasser 2+2 Minuten, Kyle Decoste 2+2+10 Minuten, Jannik Weist 2+2 Minuten und Robin Ringe sowie Christopher Del Castillo wurden mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe wegen unnötiger Härte bedacht. Die letzten Sekunden verstrichen und die Indians konnten einen weiteren Derbysieg, drei wichtige Punkte und einen Shut-Out für Deske verbuchen.

Hoffen wir mal, dass wir diesen Trend jetzt fortsetzen können. Das nächste Spiel startet dann am Freitag um 20 Uhr bei den Rostock Piranhas und ich möchte gerne mit einem Zitat unseres Coaches enden: „Wenn ich nach Rostock fahre, um mal guten Tag zu sagen, bleibe ich lieber zu Hause.“ Na dann – wir auch! Alle, die tatsächlich zu Hause bleiben, halten wir natürlich wieder im Liveticker auf dem Laufenden.

Heute mit Grüßen aus dem Wigwam

Euer Liveticker-Team mit dem ehrlichsten und subjektivsten Spielbericht der Liga

Zahlen und Fakten

Tore:

1:0 Arnold (Peleikis, Grass / Überzahl-Tor) 10:58
2:0 Gosdeck (Peleikis, Gibbons) 18:27
3:0 Baier (Pohanka, Lilik) 37:40
4:0 Pohanka (Valasek, Arnold) 47:37
5:0 Hein (Finkel, Pohanka) 52:18

Strafen: Hannover Indians 46 Minuten – Langenhagen Scorpions 72 Minuten

Zuschauer: 4.608

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